09
Juli
2017

Artikel-Titel: Keiner. Ohne. Nichts.

Gestern Abend, es war längst dunkel, fiel ein Schuss.
Ein einzelner lauter Knall, der zwischen den Häuserwänden hin und her prallte...
... um schließlich direkt in mich einzudringen.
Er durchfuhr mich und blieb in meinem Unterbewusstsein hängen.
Wo er auch jetzt noch sein muss, unerreichbar für meine Hände.
Die es nicht schaffen, ihn zu begreifen.

Ich lag wach und hörte mein Herz, wie es sich aufgewühlt durch meine Ohren pumpte.
Ich dachte daran, dass an Schlaf nicht zu denken wäre und dachte also an den Schuss.
Und ging in Gedanken durch die leeren Straßen und über die schweigenden Plätze.
Und den Schienen nach, die schon bald im Pflaster versickerten...
...zusammen mit dem Regen, der mit dünnem Schimmer die Spuren verwischte.
Meine.
Die in meine Kindheit führten.
Aber das machte nichts, das war nicht schlimm, im Gegenteil, ich kannte mich aus, ich hatte meine innere Karte.
Ein paar Pfützen hätte ich mir gewünscht.
Kleine Seen, in denen sich die Gesichter der alten Häuser so schmucklos und schön widerspiegelten.
Und einen sanften, zärtlichen Wind hätte ich mir gewünscht.
Der ein altes Kinoplakat noch einmal aufleben ließe oder eines der dünnen Programmheftchen für 20 Pfennige.
Das Titania, das ehemalige. Ich erkannte es auf einem der Bilder.
Es war eines dieser alten Kinos, die immer in den alten Filmen gezeigt wurden.
Und das es nicht mehr gibt.
Manchmal warf ein einzelnes Auto einen diffusen Schatten und ein flüchtiges Geräusch in meine Nachdenklichkeit.
Und dann war es wieder ganz still um mich.
Und das blieb es.
Bis ein zweiter Schuss fiel und dann noch ein dritter.
Das letzte Bild der Vergangenheit wich getroffen der Gegenwart, fiel in sich zusammen.
Und die stummen Monde der Straßenlaternen standen plötzlich über meinem Kopf.
Dort explodierten sie und prasselten knisternd in meinen Zustand.
Der bis dahin in der Schwebe hing, irgendwo über meiner Schwere.
Erleichtert trat das Wort Feuerwerk über meine Lippen.
Und enttäuscht trat ich aus meinem Traum heraus.
Und ich ging wieder in mich hinein.
Und stand am Fenster.
Und sah, dass der letzte Zug schon abgefahren war…


Nun ist es passiert.
Ich habe etwas geschrieben. Das passierte schon oft.
Eine Kolumne. Ja, auch so etwas passierte schon oft bei mir.
Ich bin damit aber nicht zum Bus gegangen. Nun ja.
Ich habe sie unverlangt abgeschickt. Sagt man doch so, oder…

Ich hatte nicht vor, noch einmal in den Bus zu steigen.
Der mit leerem Tank und leerem Fahrgastraum irgendwo auf der Strecke geblieben ist.
Bis gestern, da sah ich die Bilder.
Die stillen Bilder der Straßen und Plätze und Häuser, die mir so vertraut sind.
Das nächtliche Eisenach war wie eine Reise in die Kindheit. Meine.
Dafür möchte ich Dir danke sagen, magentis.
Es berührte mich unter der Haut und stimmte mich versöhnlich und ruhig.
Nach all dem, was Du immer als Zeitvertreib beschriebst.
Ich weiß schon, dass es nicht diese schmalen wie schalen Wortgruppen waren, wie sonst.
Die die MitfahrerInnen mehr und mehr vertrieben.
Nein, das war nur Deine ART zu beweisen, dass ein Internet-Forum nichts weiter ist.
Als eine fade Buchstabentütensuppe.
Nicht mehr wert als die leere Plapperei im ganz normalen Wahnsinn auch.
Mit dem Wort Mehrwert kann ich wenig anfangen, konnte ich noch nie.
Mir hätte schon gereicht, wir hätten es mit mehr als Leerwert versucht.
Nein, ich möchte nicht ungerecht oder gar bitter sein…
Es gab manchen Beitragenden, der etwas schenkte, was die Zeit nicht vertrieb…
...sondern blieb. Und das wird bleiben.
Schon das war es wert.
Dafür möchte ich den wenigen Mitreisenden, die es versuchten, danken.
Aber nun geht es nicht weiter.
Jedenfalls nicht für mich. Nicht hier.
Denn ich konnte mich zuletzt nicht mehr motivieren, hier noch etwas zu schreiben.
Immer kam das Wort wozu hinzu.
Und stand hinter jedem Satz und ließ keinen Platz für... ja was?
Warum?

Ich möchte mich jedoch noch verabschieden, ich habe das schließlich angefangen mit dem Bus.
Ob ich ihn noch zum Schrottplatz fahren soll oder besser einfach an dieser Stelle stehen lassen für die letzten Mitreisenden, das weiß ich nicht.
Das mit dem Bus war ein Versuch und auch, wenn er nur wenige Monate unterwegs war...
...war er es mir wert.
Über die Gründe dafür, dass die Leute ausstiegen, hat sich keine® geäußert.
Wir leben in einer Zeit des Verstummens. Wir reden nicht mehr miteinander.
Das war bereits im alten Figaro-Forum zu erkennen, das hat sich in diesem kleinen Kreis hier nur fortgesetzt.
Es ist nur ein Spiegelbild der Gesellschaft.
Und nein, so ein Forum über Sinn und Sinne (damit verbindet sich doch der Kulturbegriff, oder?) kann nicht unpolitisch sein, wenn es einen Wert, einen Sinn und Zweck haben soll.
Dieses Land wird sich verändern, hieß es.
Wie sehr es sich schon verändert hat und ob das besser oder schlechter ist, das wird jede® für sich selbst anders empfinden.
Die Bilder von Zerstörung, Sinnlosigkeit und Gewalt – zuletzt aus Hamburg – sind 1000fach im Netz zu sehen. Ich ersparte sie mir.
Dafür möchte ich euch zum Abschluss noch dies zeigen.

https://www.youtube.com/watch?v=ZV99jp897Cw

Auf diesen Bildern ist (auch) zu sehen, dass sehr viele Menschen nichts sehen.
Nichts.
Während sie essen und trinken und gehen und filmen…

Ich wünsche euch eine gute Reise…
Wassermann



« Art Session 2017 in der Schönherrfabrik


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Mete
13.08.2017 17:20

avatar_w

Der alte Baum, Wassermann, ein bisschen fühle ich mich so. Und dass ich zuweilen mit mir selber rede, passt wohl auch dazu.
Heute, am 13. August, ist so ein Tag des Nachdenkens für mich. Es liegen viele und unterschiedliche Erfahrungen zwischen damals und heute - und einmal war auch eine vorsichtige, eigentlich nicht zu glaubende Hoffnung dabei - aber sie ist inzwischen wie auf dem Bild von Caspar David Friedrich zerschellt, im Eis der Gegenwart förmlich zerbrochen. Inzwischen weiß ich gar nicht, wie ich weiterdenken soll oder will und registriere lediglich, dass es draußen im Grundstück schon leise nach Herbst, meiner liebsten Jahreszeit, aussieht.
In solcher Situation wäre mir wichtig, Menschen zu einem freundlichen Gedankenaustausch zu treffen. Aber das wurde ja nicht gewollt - und das ist eigentlich richtig schade.



Wassermann
12.08.2017 17:33

avatar

Es gibt diese alten Bäume, die inmitten des viel jüngeren "Gemüses" stehen.
Sie haben all die Jahrhunderte durch-ge-standen.
Wind und Wetter haben an ihnen gezerrt und genagt.
Hätten sie ein Gedächtnis, könnten sie sehr viel erzählen.
Aber vielleicht haben sie ja eines.
Ich bin sogar sicher, dass sie eines haben.
Und ich bin ebenso überzeugt davon, dass sie erzählen.
Wenn der Wind durch die Blätter streicht, dann kann man die alten Geschichten hören.
Und wenn man sich ins Moos setzt, unten auf die dicken Wurzeln, dann hört man nicht nur das Flüstern des Laubes.
Sondern sogar sich selber flüstern...
Und man hört sich selber zu.
Das ist etwas sehr Stilles, Besonderes.
Sie sind nicht wie alle anderen, die alten Bäume.
Erhabenheit - das ist ein altertümliches Wort.
Und ein schönes ist es auch.

Ich stelle mir gerade vor, dass unser Bus unter einem großen alten Baum steht.
Manchmal kommt ein Mensch vorbei, eine Frau oder ein Mann.
Und wundert sich ein bisschen.
Über den Bus, der so verlassen scheint.
Mit all diesen seltsam anmutenden Fotos aus anderen Jahres- und Menschenzeiten.
Und ist doch froh, sich ein wenig ausruhen zu können.
Und hört die alten Geschichten und lässt auch etwas da.
Etwas, das nicht zu bezahlen ist.
Wer weiß, was das alles zu bedeuten hat. In einer Zeit, aus der alles Bedeutende heraus zu fallen scheint.
Aber wenn es nur einer Einzigen oder einem Einzigen etwas bedeutet, dann kann das schon viel bedeuten.
Etwa so viel, wie ein einzelner alter Baum auf weiter Flur...



magentis
10.08.2017 21:06

avatar

@Wassermann
Ich wollte Dich auch keinesfalls persönlich angreifen. Entschuldige, falls es so rüberkam.



magentis
10.08.2017 15:29

avatar

Ich nehme meine Aussage von weiter Unten zurück!!

Ich habe nochmal drüber nachgedacht und mein Urteil war zu hart. Du hast auch völlig Recht, Wassermann. Es gibt genaugenommen keinen Grund, den Bus zu verschrotten. Also bitte auch ich Dich, ihn rollen zu lassen. Denn ich kenne mich selbst ja und weiß genau, dass ich den Bus irgendwann dann ja doch vermissen würde.

Und wenn er nicht rollt, dann steht er eben, macht doch Nichts! Aber er ist da!



Mete
15.07.2017 18:45

avatar_w

Klara, Wehnuss - nehmt Ihr mich mit in den Bus? Natürlich trage ich auch einen Kanister Benzin herzu, damit immerhin genug davon vorhanden ist. Und Blau ist eine Farbe, die mir besonders bei den Blumen gut gefällt. Soll er blau werden, der Bus. Ich habe mich dieser Tage wieder in die Bücher von Beverley Nichols "versenkt", die so heißen "Große Liebe zu kleinen Gärten", "In ein Haus verliebt" - und in denen man als Leser vieles über Blumen und Gärten (auch über Katzen) erfährt, das man durchaus im eigenen Garten anwenden kann. Alle unsere im Winter blühenden Sträucher hat mir dieser ehemalige englische Journalist und Schriftsteller "verraten". Ach ja, Krimis hat er auch geschrieben. Aber ich lese und sehe keine.
Auf diese Weise habe ich ein bisschen mein inneres Gleichgewicht wieder gefunden.
In der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig gibt es jetzt eine Klasse für geflüchtete Kunst-Studenten. Ich bin gespannt, was sich daraus entwickelt. Das kann sehr interessant werden.
Noch etwas: ich fotografiere nicht, beherrsche auch nicht die Technik, irgendein Foto hier hereinzustellen. Dies nur als Erklärung.



magentis
15.07.2017 11:42

avatar

Ich lade in den nächsten Minuten meine Bilder von Schloss Burgscheidungen hoch.



wehnuss
15.07.2017 11:32

avatar

Liebe Klara,
darauf freue ich mich: wenn ich zum Bus gehe und dich schon darinnen finde!
Dann können wir uns gegenseitig Geschichten erzählen oder Gedichte vorlesen!
Ich bringe auch einen Kanister mit.
Wenn das alle machen, wird es bestimmt irgendwann für einen Ausflug auf einen Berg reichen!
Warum Berg?
Von oben sieht die Welt ganz anders aus.
Wie ein Spielzeugland mit kleinen Zügen und Autos und diesen niedlichen Ameisen, die von Ort zu Ort wuseln und sich Menschen nennen!
Und von des Berges Spitze behält man den Überblick. Ja.
Ob wir dann allerdings wieder so einen lauschigen und vor allem preiswerten Platz zum Parken finden, an dem wir niemanden stören, das bleibt abzuwarten.
Aber, auch das werden wir packen!
Wir sind ja tolerant und, was die Kommunikation betrifft, einfallsreich und freundlich!
Also, bis bald!



Klara
14.07.2017 18:38

avatar

Ich wollte einen vollen Kanister Sprit mitbringen, aber ich habe vergessen zu sagen:

Nur so viel, wie ich tragen und bezahlen kann…

Fünf Liter, mehr ist nicht drin!
Wie weit kommt ein Bus mit fünf Liter?

Ein bisschen hat sich der Bus in der Zwischenzeit bewegt, ich meine vorwärts…
Das ist gut.

Ich musste ein Stück laufen, so ca. fünfhundert Meter, um bei euch zu sein, den harten Kern, der überhaupt nicht daran denkt, den Bus zu verlassen.
Verschrottung - Nur über meine Leiche…
Vor dem Bus standen übrigens immer noch ein paar Fenstergucker, verschämt guckten sie in eine andere Richtung.
Vielleicht habe ich es mir auch nur nur eingebildet, vielleicht lachen sie sich ins Fäustchen…
Ätsch, ihr Trottel!
Den Busfahrer habe ich auch gesehen, er stand seitlich am Wegesrand, nicht weit vom Bus entfernt und er guckte in die Ferne, aber geraucht hat er nicht!

Meistens sitze ich im Bus links. Nur manchmal, wenn die Sonne so arg blendet, dann setze ich mich in die rechte Ecke.
Links und rechts, das ist bei mir so eine Sache, manchmal komme ich ganz durcheinander, obwohl ich doch weiß, wo sich rechts und links befindet.

[…sondern die etwas Neues, Frisches trotzig auf die Beine stellen wollten!...]

Man kann nichts Neues erfinden, das schon da ist. Man kann es nur besser machen, aber wir waren zu wenige, da gebe ich dir Recht, liebe Wehnuss.
Und ich kann mich nicht neu erfinden, das können nur wenige, und es ist ehrlicher, weil man sich sonst „verbiegen“ müsste.

Ich vermisse die Mitstreiter, die, die in der Stunde „ Null“ dabei waren.
Aber ich verübele es niemanden, manchmal trennen sich Wege, sowie im richtigen Leben.

Und du, Wassermann, du hast dein Bestes gegeben, aber das Beste ist manchmal nicht gut genug.
Es wäre schön, wenn du mal vorbeikommst und den Bus inspizierst, und wenn nötig, ein paar Reparaturen vornimmst, so dass der Bus einigermaßen standfest bleibt.
Und bring einen Eimer Farbe mit, ich mag die Farbe „Blau“



wehnuss
14.07.2017 16:49

avatar

Zuerst muss ich ganz schlicht und einfach dem Wassermann danken, dass er uns bis hierhin gefahren hat!
Ein Versuch, etwas von der Vielfalt beim figaro zu retten.
War aber keine Vielfalt. War eher eine Wenigenfalt.
Ich weiß, dieses Wort gibt es nicht.
Wie aber soll ich diesen Zustand anders bezeichnen?
Diese Busfahrt sollte auch, wenn ich es richtig verstanden habe, ein gewisses Sortieren sein.
Nicht im Sinne von Selektion. Wirklich nicht!
Eher so ein Sammelbecken für die, die sich nicht mit Jammern, Beklagen oder Selbstbeweihräuchern zufriedengeben wollten, nachdem man uns alle abserviert hatte, sondern die etwas Neues, Frisches trotzig auf die Beine stellen wollten!
Es hätte einiger Mitstreiter mehr bedarft. In diesem Bus. Schade.
Wir lassen ihn jetzt stehen. Am Straßenrand.
Er wird im Laufe der Zeit von deren Zahn angenagt werden.
Ab und zu wird eine/einer von uns ein Pöttchen mit Farbe mitbringen, damit dem Rost Einhalt geboten wird.
Die Farbe legen wir nicht fest: er soll bunt aussehen...
... und ein fester Anlaufpunkt sein für alle, die es wollen...
Vielleicht findet sich auch ein begnadeter Bastler, der unser Vehikel wieder zum Rollen bringt?
Alles ist möglich...
Also, Dank an unseren Wassermann!



magentis
13.07.2017 21:28

avatar

Wer unbedingt zerstörerische Politikdiskussionen will, muss dann eben auch die Suppe auslöffeln.



Wassermann
13.07.2017 19:12

avatar

Jaja, ich weiß, Internetforen sind längst „out“.
Und was hätte das mit uns zu tun??
Gehabt?

Als ich im Januar diesen - bewusst etwas altmodischen - Bus mit offenen Türen an eine Endhaltestelle fuhr…
…da standen da noch ein paar verstörte, orientierungslose, möglicherweise auch einsame Menschen an dieser Plattform, die man gerade platt gemacht hatte.
Da war es gerade 3 Tage her, dass das mF-Forum abgeschaltet worden war und die „Insassen“ mit klebriger Danksagung rauskomplimentiert und der Empfehlung konfrontiert, doch die „sozialen Medien“ zu nutzen.
Besser gesagt, sich von diesen benutzen zu lassen.
Naja, Das Radio hat uns auch nur benutzt.
Ich höre inzwischen den Sender: Aus.
Einer der Gründe, einen solchen „Bus vorzufahren“, war für mich, damit Menschen einen „gemeinsamen Ort“ anzubieten, einen Ort, an dem sie miteinander –reden-, denken und, im schönsten Fall, auch fühlen könnten.
Auch ersatzweise für die fehlenden Möglichkeiten im „richtigen Leben“.
Nüchtern ausgedrückt: Das zu ermöglichen, was Mete oder Wehnuss u.a. immer mal erkennen ließen: Eine „Verbindung nach außerhalb“.
Das war nur einer der Gründe für mich, aber ein wichtiger. Daran denkend, habe ich weiter gedacht: Es gibt auch jetzt, wo dieser Bus keinen Treibstoff mehr hat, keinen Grund, ihn zu verschrotten.
Mag er doch einfach da stehen und offen bleiben und jede® rein gehen und sich ausruhen, einen Zettel hinterlassen.
Oder auch nur einen Seufzer.
Oder eine flammende Rede halten oder ein Plädoyer.
Oder einen Film empfehlen oder ein Buch.
Oder sich selbst.
Was auch immer.
Ich werde ihn also einfach Wurzeln schlagen lassen.
Bis irgendwann Gras über ihn gewachsen ist.
Solange kann er als überdachte gemeinsame Sitzbank zum Schwatzen und Schweigen verwendet werden.
Ja?
PS:
Magentis, nun habe ich deinen Kommentar noch 2mal gelesen und weiß trotzdem nicht so recht, was du eigentlich damit sagen willst.
Dass wir auf Englisch miteinander Artigkeiten austauschen sollen, damit sich nur ja keine Widersprüche und Konflikte auftun?
Dass wir über Zitronenlimo und Zucker und Zimt (Milchreis ist übrigens das verlässlichste Brechmittel für mich) zahnlose Zustandsbeschreibungen abgeben, die die Welt nicht braucht?
Dass wir uns besser aus allem Kritischen, Kritikwürdigen, Katastrophalen raus und uns ein Brett vors sonnige Gemüt halten, damit ja kein Kontrastprogramm zum schönen Schein erscheint?
Dass wir die Rollos runterziehen, uns vor den virtuellen Fenstern des Internets was vormachen und nur ja nicht über das sprechen – was uns betrifft…!? WAS UNS BETRIFFT.
?
Dass wir keine gegensätzlichen Meinungen über Wesentliches und Relevantes äußern, weil das die kuschlige, aber stickige Innenluft im Bus nur aufheizte?
Dass wir schließlich ersticken? An uns selbst und dem Unausgesprochenen, dem Abgeklemmten?
Meinst du nicht auch, dass wir sowieso schon viel zu wenig über Politik sprechen (nicht das leere Gequatsche der Talkshows meine ich.
Dass wir seit Jahren verkümmern, verlernen, uns konstruktiv zu streiten und ehrlich mit der Realität auseinander zu setzen? Dass wir keine Streitkultur mehr haben, nicht mal die, die sich auf der guten Seite wähnen?
Dass lechts und rinks zwei besinnungslos richtungslose Worthülsen sind?
Mag es verständlich sein, dass die Leute sich ins Private zurückziehen und sich verschließen: Die Einen, weil sie die andere Meinung nicht aushalten, die Anderen, weil sie resignieren.
Mag es verstehbar sein – aber gut ist es ist nicht. Ganz schlecht sogar.
Nicht gut für uns alle. Es wird der Tag kommen, an dem wir uns fragen werden, wie wir es soweit haben kommen lassen können.
Wir sitzen nicht im Zuschauerraum. Dies ist kein Film, nicht mal der falsche.
Wir sitzen in einem Boot. Und halten den Mund, wo wir nicht mal gefragt werden.
Wir sind feige und bequem.
Mag sein, dass ich unbequem bin.
Aber ich halte das nicht aus.
Im Boot zu sitzen und über die Farbe der Sitzkissen zu informieren.
Um ja nichts zu riskieren. Nichts Neues zu probieren.
Auf die Spießer schimpfen, während man vorm Spiegel steht.
Angestrengt nach unten zu gucken, um nur ja nicht über den Bootsrand blicken zu müssen.
Obwohl man das Tosen des Wasserfalles längst nicht mehr überhören kann.



Mete
11.07.2017 15:30

avatar_w

magentis, sicher hast Du die richtigen Worte gefunden. Und dennoch: mir tut es einfach leid. Es hat mir gut gefallen, immer mal hier hereinzuschauen und meinen "Kram" dazu zu sagen, und auch diese und jene Anregung für den Alltag zu bekommen. Ich bin auch nicht bereit, zu glauben, in deutscher Sprache nicht höflich miteinander korrespondieren zu können und andere Meinungen anerkennen. Die harten Töne im Umgang sind doch eigentlich in jedem Falle durch die politischen Themen entstanden.
Wie wäre es, wenn wir es ohne Politik versuchten und unsere "Mitschreiber" ein bisschen an unserem Alltag, unseren Fragen auf allen möglichen Gebieten, teilhaben lassen würden? Ich habe das zwar schon eine geraume Weile probiert - es ging aber eben keiner weiter darauf ein. Zu den von Dir genannten Damen zähle ich mich wirklich nicht und wäre gern bereit, hier ohne Tagespolitik weiter mitzumachen.
Wir leben seit Freitag hier in Nordsachsen in einer Art Tropenwetter mit wahren Regengüssen - und während eines solchen schicke ich schöne Grüße



magentis
11.07.2017 10:43

avatar

@Wassermann

Du kannst den Bus ruhig verschrotten.

Und lüge sich Niemand in die Tasche!

Es war doch in Wirklichkeit von Anfang an Allen klar, dass sich viel zu wenige Leute aus dem mF-Rest anmelden würden, als dass überhaupt ein brauchbarer Unterhaltungswert unseres Stammtisch-Busses entstehen könnte.

Es war ähnlich wie bei meinFigaro eine Totgeburt, weil der Großteil eh schon oder wieder beim Fratzenbuch rumhängt.

Es könnte funktionieren, wenn Wir eine gewisse Nutzerzahl hätten und dadurch einen Unterhaltungswert, der die Leute bei der Stange hält. Was aber Nichts Daran ändert, dass es naturgemäß keine Wertschöpfung gibt. Die Leute können sich unterhalten, sich die Zeit vertreiben, Bilder hochladen, anschauen, aber den Bus als Gegenstand an sich interessiert es nicht. Er bleibt ein Gegenstand, egal was die Leute tun. Stammtisch v2.0 mit "Bilderhochlademöglichkeit".

Bringt aber letztendlich auch nicht Viel, denn gleichzeitig ist sowieso immer die Gefahr da, dass üble Schreckschrauben, wie unser Flöten-B Hörnchen (!), auftauchen und dann wieder Alles kaputtmachen und die Leute sich nicht mehr trauen, Was zu schreiben!

Und ich bin auch nur in der Nebensache Hier.
In der Hauptsache bin ich 2015 endlich, was ich schon lange vorhatte und vor mir hergeschoben hab, ins Internationale, Englischsprachige abgesprungen, weil ich von der deutschen Sprache und dementsprechend Mentalität endültig die Schnauze voll hatte.

Und Das ist das Grundproblem deutschsprachiger Communities.

Einfache Psychologie, Sprache = Mentalität. Es hat bei uns Deutschen keinen Zweck miteinander zu diskutieren oder allen Ernstes sogar noch Politik in einer Community zuzulassen, sodass sich die Leute gleich zerfleischen! Und DAS wisst Ihr Alle ganz genau.

In Nicht-Politikcommunites Politik zuzulassen, so verrückt sind Heutzutage nicht mal die sehr einfach gestrickten Amis! Selbst Die habens begriffen, sind auf dem aktuellen stand der Dinge und wahren den Community-Frieden.

Ich bin in der Hauptsache seit Mai 2015 in einer kleinen US-amerikanischen Community, von der Größe her vergleichbar mit meinFigaro und sogar auch noch kulturell angehaucht. Aber mit gesunder internationaler Durchmischung. Circa 50% Amis, ABER auch 50% aus dem ganzen Rest der Welt!

Aber es funktioniert Dort auch schon grundsätzlich gut, eben wegen der naturgemäß diplomatisch-distanziert-freundlichen englischen Sprache, die das Problem der deutschen Sprache eben NICHT hat.

Und politische Kommentare werden Dort zum Glück grundsätzlich sofort gelöscht, damit garnicht erst sinnlos-bescheuerte Diskussionen entstehen. Das gilt selbstverständlich auch für den OT-Bereich.

Gang und Gäbe war diese Frieden-wahrende Vorgehensweise bereits 2014 auch in neueren deutschen Klein-Communities.

Und Dennoch:
Ich war von 2014 an in einer Damals neugegründeten kleinen (regionalen) Hobbygeschichtsforschungs-Community, bis 2015, weil es Da schon keinen Sinn mehr hatte und Da gab es ähnlich wie Hier auch eine Art "Vorgänger-Community" und es war mir Damals auch schon von Anfang an klar, Was am Ende Dabei herauskommt, besonders bei einer solchen zickig-proletarisch-kleinkriegerischen Community.
Dieser Community-Chef Dort und die Moderationshelfer haben es aber dennoch gut gemeint und es noch laufen lassen. Aber Irgendwann ist eben auch mal der endgültige Punkt erreicht. Und nun, 2017, haben die Leute endlich die Notbremse gezogen und schließen die öffentliche Internet-Community der Hobbygruppe.

Aber da ich diese regionale Stammgruppe aus wenigen Leuten ja immernoch kenne, weiß ich, dass selbst das private Weiterbestehen dieser Hobbygruppe im Grunde nur privater Zeitvertreib ist und keine Wertschöpfung hat.

Aber, wenn man im internationalen/engliscthsprachigen (Klein)Community-Alltag unterwegs ist, braucht man sich mit diesen Problemen und diesem deutschen Stressgemache definitiv NICHT mehr herumzuschlagen! Da funktioniert die Völkerverständigung im speziellen Hobbybereich sichtbar! Und Trolle kommen gleich auf die Ignore-Liste, denn die gibts natürlich Überall.

Aber zerbrecht Euch nicht mehr den Kopf über deutschsprachige Internet-Communties! Alles hat seine Zeit. Und deren Zeit ist seit mindestens 5 Jahren vorbei.
Leute, die zehn Jahre älter sind als ich, mit noch längerer Internetforen-Erfahrung, würden vielleicht sogar 10 Jahre meinen, denke ich!



Mete
10.07.2017 15:32

avatar_w

Ja, Wassermann, es war ein Versuch. Eigentlich ist er ein bisschen gelungen, denn wir haben ja eine ganze Weile weiter miteinander geredet, was in diesem Falle geschrieben heißt. Aber jetzt tun wir, was alle in diesem Land zu tun scheinen: wir gehen still auseinander und jeder einen anderen Weg. Ich habe Dich immer mal - in eigenstem Interesse - gebeten, doch weiter zu machen; nun ist auch mir klar: es geht eigentlich nicht. Uns bewegt im Grunde nur ein Thema - genau das bewegt ja die meisten im Land -aber es ist alles dazu gesagt, und verändern können wir nichts mehr. Wir können uns nur auf Artikel aufmerksam machen, die unsere Meinung in besseren Worten ausdrücken. Aber so war das alles ja offensichtlich nicht gedacht.
Mit einer winzigen Hoffnung, dass wir doch noch dieses und jenes voneinander erfahren, werde ich immer mal wieder hier hereinschauen.





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