#1

Quo vadis?

in Bloghütte 25.02.2017 10:40
von Wassermann • 140 Beiträge

Wir müssen noch mal neu anfangen, Leute.
Wir stehen schon wieder da, wo wir bei mF schon viel zu lange standen.
An der Tischtennisplatte. Pingpong, meine ich.

Das führt so zu nichts.
Zu nichts als dazu, dass hier in spätestens einer Woche die wenigen Hinterbliebenen des verstorbenen Forums sich frustriert und resigniert in die eigenen vier Wände zurückziehen und kommunikativ verbarrikadieren.
Das wäre es dann mit unserem Versuch. Zweimal Vollmond und dann dunkel.
Ich hatte mir gewünscht, erhofft und hoffe es immer noch, dass dieser Kleine Ort hier einer sein könnte, an den jede(r) gerne kommt, der ihr / ihm etwas gibt, was "draußen" fast verloren scheint.
Scheinbar eine Illusion..?
Eine Scheinillusion, hoffe ich.

Wollten wir nicht einiges anders machen?
Können wir wirklich nicht raus aus unseren Denk- und Erklärungsmustern?
Die uns, wie wir doch längst in der großen Gesellschaft sehen, nur immer weiter auseinanderbringen?
Wir sollten streitbar sein, aber nicht sinn- und zwecklos.
Schaffen wir es mal? Die Emotionen rauszunehmen, auszusprechen, aussprechen zu lassen und Widerspruch auszuhalten und stehen zu lassen? Ohne, dass wir uns verletzen, ohne, dass wir uns gleich getroffen fühlen, ohne, dass wir uns in Frage gestellt sehen?
Wir könnten uns ja mal gegenseitig "das Beste unterstellen"... (das ist jedenfalls meine Devise).

Denn vermutlich haben wir doch alle zumindest ähnliche Gedanken, Sorgen, Ängste, aber sicher auch noch Hoffnungen, was das Leben in diesem Land betrifft.
Ich denke, es geht um eine weitere Sicht, um viel größere Zusammenhänge, die man aber erst erkennt, wenn man aus der eigenen Versenkung raus kommt.

Ich glaube, wir sind alle aufgewühlt, verstört und orientierungslos und suchen nach einem Weg, nach einem Ausweg.
Lasst uns deshalb auf einer anderen Ebene nachdenken.
Bitte weitgehend ohne ping und ohne pong.
Die eigene Sicht auf die Dinge aussprechen.
Vielleicht erst einmal nur das: Den Ist-Zustand betrachten und versuchen zu erkennen.
Danach könnten wir weitersehen.
Wäre das ein Angebot?
Ich drück jetzt mal auf Neustart…

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#2

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 05:59
von VirginiaWoolf • 37 Beiträge

"Vielleicht erst einmal nur das: Den Ist-Zustand betrachten und versuchen zu erkennen. "

Lieber Wassermann,
wir sind wieder beim Pingpong.
Noch schlimmer, wir oder einige sind wieder bei den "Schubladen" und bei den
vielen Links auf irgendwas, was uns eine Meinung darbietet, vielleicht die
Meinung, dessen der verlinkt hat. Vielleicht ist es auch nur eine freundliche
Leseempfehlung. Ich habe vieles aufgesogen, doch es hat mich mehr belastet als
dass ich mich informiert fühlte oder gar ein Licht am Ende des Tunnels sah.

Seit Anfang des Jahres versuche ich Politik weitestgehend auszublenden, weil
ich mich zu häufig darüber ärgere, weil ich dann zornig, traurig oder
resigniert bin.
Warum? Weil es mir nach dem unsäglichen 19. Dezember sehr schlecht ging,
physisch wie psychisch, weil ich das alles zu nahe und zu tief an mich heran,
in mich dringen gelassen hatte. Ich hatte niemand zum Reden... niemand,
der mich davon ablenkte. Ich sog Nachrichten und Kommentare auf, erschreckend.
Dazu privates Unwohlsein, Sorge um den Job usw..

Mich widert die Politik nur noch an.
Ich sehe keinen Ausweg aus dieser unsäglichen Parteienpolitik, denen es nur
um Macht und nicht um die Menschen geht. Und diese politisch Machthabenden
doch nur dem Großkapital dienen.
Ich habe für dieses Land nicht allzuviel Hoffnung, jeder gegen jeden...
und letzlich doch alle Steigbügelhalter für St. Angela.

Und ich sehe, dass Indoktrination und Manipulation aus allen Richtungen gegen
andere Meinung funktioniert, also auch gegen alles LINKE/Linksgrüne oder welcher
Art "linker Schublade". Wer also meint, dass nur die Öffentlich-Rechtlichen
"manipulieren", der irrt gewaltig. Das funktioniert auch anders herum, und dass
das funktioniert, sieht man hier im Bus.
Allein bei diesem "Wer links wählt..." ist mir so kotzübel geworden...,
woher kommt wohl eine solch stupide Meinung?
Ich bin daher Printmaker und KleinerBaer und wehnuss und anderen dankbar,
dass sie gepongt haben.

Wider- oder Einspruch unerwünscht?
Emotionen ausblenden?
Der Mensch ist nun mal ein emotionales Wesen, und ab und an muss das raus,
erst recht, wenn man niemanden zum Reden hat.
Natürlich kann bzw. könnte ich auch ganz emotionslos geben.
Doch würdet Ihr das dann noch lesen wollen?

Das Unterdrücken von Emotionen hält Mensch auf Dauer nicht aus.
Alle Verletzungen schlucken, aushalten, sich nicht wehren, kaum widersprechen,
sich nicht gleich getroffen fühlen ist sehr schwer und will trainiert sein,
und es braucht eine Rückendeckung, einen Halt, das auszuhalten.
Auf der anderen Seite muss genauso gelernt und trainiert werden, Grenzen nicht zu
überschreiten, nicht unbedacht mit plakativen, gar bösartigen Parolen alles
nieder zu dreschen, was einem gerade nicht in den Kram passt oder jeden
Fehltritt einer Person zum Fehltritt einer Menschengruppe oder Partei hoch
zu stilisieren. Sorry, da verweigert sich mein Verstand - oder wie ein berühmter
Film-Mafiosi sagte, es beleidigt meine Intelligenz.
Da fällt es mir schwer, das "Beste zu unterstellen" - ungeachtet meiner Emotionen.
Ich kann das versuchen, doch ich bin mir sicher, dass, wenn ich nicht irgendwann
Stop sage und mich "wehre", mir wieder kotzübel wird.

"Ich denke, es geht um eine weitere Sicht, um viel größere Zusammenhänge, die
man aber erst erkennt, wenn man aus der eigenen Versenkung raus kommt."
Da stimme ich Dir zu. Ich fühle mich jedoch nicht in der Lage, die größeren
Zusammenhänge alle zu erkennen. Ich verwende darauf auch nicht mehr allzu viel Kraft.
Ja ich bin ratlos, und ich gehe sparsam mit meinen Kräften um.
Ich versuche zu differenzieren, und das wünsche ich mir auch von anderen.
Und vielleicht bin ich noch zu sehr "gelernte DDR-Bürgerin", als dass ich
mir einreden lasse, die Kommunisten waren/sind an allem Schuld und alles in der
DDR war sch.... Ich bin weder christlich noch "kommunistisch" erzogen worden,
auch in der Schul- oder Studienzeit hielt sich letzteres in Grenzen.
Mein Weltbild habe ich mir weitestgehend selbst erarbeitet - mit klarem Verstand,
es ist ein humanistisches. Und ich will NEIN sagen zu dem, was diesem widerspricht,
diese Freiheit nehme ich mir. Wenn dies nicht erwünscht ist, werde ich mich zu
politischen und gesellschaftlichen Themen nicht mehr äußern.

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#3

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 10:32
von bumkin • 49 Beiträge

liebe Virginia W.---alles was Du geschrieben hast meine ich auch ganz genauso, aber weil ich mich eigentlich mehr bildlich artikulieren möchte,
habe ich mich nicht geäußert---jedenfalls danke für diese kluge Betrachtung.

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#4

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 13:02
von KleinerBaer • 68 Beiträge

Tatsache, ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Ich würde am liebsten täglich "Alle Menschen werden Brüder" aus voller Inbrunst singen.
Gleichfalls bin ich jedoch ein wissbegieriger und nachdenklicher Mensch. Dadurch erreiche ich eine gewisse Balance zwischen Gefühl und Verstand.
"Wir sind alle aufgewühlt, verstört und orientierungslos", schriebst Du, Wassermann.
Dabei brauchen wir sie so nötig, die Orientierung, und jeder von uns sucht nach ihr.

Was auch immer hier in unserem Land geschieht, so habe ich doch im Hinterkopf stets auch Bilder aus aller Welt. Ihr wisst ja, alles hängt mit allem zusammen, wie z.B. Hungernöte in Afrika und der Reichtum der westlichen Zivilisation. In meinen Vorstellungen tauchen nun allerdings noch ganz andere Kreise auf, nicht groß, aber mächtig, die überall, in den entferntesten und den nächsten Gebieten der Erde und sämtlichen Lebensbereichen sehr viel zu sagen haben. Ich bin keine Anhängerin von Verschwörungstheorien, zu solchen Schlussfolgerungen bin ich nach der Lektüre vieler Schriften und Bücher zu gesellschaftspolitischen Fragen und dem Verfolgen bestimmter Dokumentationen gekommen. Auch über die Rolle der Geheimdienste bin ich ganz schön ins Grübeln geraten. Ich denke, das Spiel wird erheblich erleichtert, wenn sich die Völker uneins sind, und wenn sich die Bürger eines Landes gegenseitig die Köppe einhauen.
Wir haben schon mal mit "Pingpong" angefangen...
Der Staat - ?
Die Politiker - ?
Nun ja. Sie tun, was sie in ihrem kleinen Rahmen glauben tun zu müssen, die einen unglaubwürdiger als die anderen oder umgekehrt.
Von der Urgesellschaft zur Sklaverei zum Feudalismus, zum Sozialismus, zum Kapitalismus, zum ...ismus oder so.

Können wir wirklich nicht raus aus unseren Denk- und Erklärungsmustern?"
Das ist ja glatt eine Frage an die Neurowissenschaftler unter uns. Wenn wir keine unter uns haben, wird es schwierig, diese Frage zu beantworten.

Ich bin beim Grübeln darüber nicht weit gekommen, deswegen rücke ich erst einmal die Sprache in den Fokus meiner Überlegungen. Schließlich hat uns erst die Sprache ermöglicht zu werden, was wir sind: Menschen. Die Macht der Sprache ist unermesslich.
Als ein Aspekt dazu fällt mir der Spruch "Der Ton macht die Musik" ein. Jeder kennt das: Einer trägt seine Ausführungen mit leiser, angenehm klingender Stimme vor, ein Anderer hebt die Stimme, wird lauter, möglicherweise folgen schrille Einwände...
Auch unsere eingetippte Sprache hat einen speziellen Klang und somit eine spezielle Wirkung. Dir, lieber Wassermann, sage ich nichts Neues.
Und ich sage mal, dass wir mit unseren eingetippten Beiträgen weit mehr preisgeben, als wir glauben oder als uns unmittelbar bewusst wird. Das führt mich sogleich zu der Frage: Warum tun wir das? Was und wen wollen wir erreichen? Auch der Frage nach unseren Erwartungen an diesen Ort, die Du, Wassermann, schon einmal stelltest, müssen wir uns stellen.

Ich erwarte einen vielfältigen Austausch über Kunst und Kultur und keineswegs ausgeschlossen: einen Meinungsaustausch zu gesellschaftlichen Problemen, und noch einmal deutlich ausgedrückt: Keine Propaganda.

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#5

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 14:03
von Laura • 95 Beiträge

Vielleicht ist es eine Gratwanderung, zwischen Aufklärung und Propanda zu unterscheiden; ich möchte niemandem hier eine unlautere Absicht unterstellen. Es ist nicht unwichtig, auch das Umfeld und die unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen zu betrachten,
danach ihre Befindlichkeiten zu messen, ihre Ausdruckweise zu interpretieren. Kein leichtes Unterfangen bei einer virtuellen Begegnung.
Wir " Ehemaligen" sind nach unserer ( ja doch!) anfänglichen Euphorie wieder recht dünnhäutig und unsere Erlebnisse im Alltag divergierender geworden.
Dem sollten wir Rechnung tragen.

Das "Quo vadis ?" würde ich gern gegen ein " Der Weg ist das Ziel" austauschen. Etwas Besseres fällt mir derzeit nicht ein.

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#6

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 16:41
von Mete • 159 Beiträge

Laura, "Der Weg ist das Ziel" wäre doch eine wunderbare Zukunft für diese Runde, und Kunst und Kultur kämen dabei sicher oft "zu Wort".
Und dass Virginia sich wieder meldet, stimmt mich einfach froh. Ich habe ihre klugen Beiträge, denen ich oft meine Zustimmung versicherte, sehr vermisst. Schöne Grüße, Virginia, und wenn mein hartnäckiger Husten sich beruhigt hat, ist eine Tasse Kaffee miteinander angesagt.

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#7

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 18:43
von wehnuss • 159 Beiträge

Wir dürfen bei allem Diskutieren nicht vergessen, dass zwischen unserem früheren Miteinander (?) und dem heutigen Hiersein ein riesengroßer Unterschied besteht:
damals (vor dem 31.12.2016) gehörten zur Community ungefähr 3000 Mitglieder, jetzt sind wir noch nicht einmal 5 Hände voll!
23 Leutchen!
Da bleibt es nicht aus, dass unsere Diskussionen in einem Kreise mit kleinem Radius verlaufen.

Bunt wird ein Strauß nur dann, wenn viele Blumen in möglichst vielen Farben vorhanden sind!
Lyrisch gesprochen. Bildhaft. Na, eben auf meine Art.
Und es werden immer Blüten dabeisein, die sich nur ungern mit anderen Blumen in eine Vase stecken lassen!

Was mich allerdings sehr stört, das sind diese häufigen Links auf irgendwelche Medien- oder Sensationsberichte.
So viel Zeit habe ich nicht, um mir das alles herienzuziehen!
Ich habe demgegenüber auch deshalb eine Abneigung, weil man mit aus dem Zusammenhang gerissenen Beiträgen alles Mögliche beweisen kann. Und sich nicht scheut, es auch zu tun.
Das ist meine ganz persönliche Meinung in meiner persönlichen Situation.
Das mag ein anderer - oder eine andere - anders empfinden.

Wahrscheinlich sind wir gerade dabei, uns wieder einmal eine Nische zu bauen.
Wir mit unserem Bus!
Wir sollten aber wissen, dass diese Nische eine öffentliche ist, die von allen Seiten beobachtet und belauscht werden kann.
Früher drangen die Kundschafter des Friedens in alle möglichen Gruppierungen ein.
Sie mussten sich damals selbst bemühen.
Das fällt heutzutage weg.


zuletzt bearbeitet 26.02.2017 18:45 | nach oben springen

#8

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 18:46
von Printmaker • 29 Beiträge

@Wassermann
>Ich denke, es geht um eine weitere Sicht, um viel größere Zusammenhänge, die man aber erst erkennt, wenn man aus der eigenen Versenkung raus kommt. <

Wie soll das gehen ohne miteinander zu sprechen bzw. auch zu streiten?
Die goldene Regel ist: hart in der Sache, aber ohne den Anderen persönlich anzugreifen.
Das hat einige im mF-Forum überfordert; hier habe ich noch keinen Anlaß für eine Intervention wahrgenommen.

Mancher fühlt sich durch "falsche" Meinungen/Haltungen auf die Füße getreten. Wer sich in ein Forum begibt, hat es auszuhalten.
Das ist wie im "richtigen Leben".
In einem Kultourbus eigentlich eine Selbstverständlichkeit; Kultur hat/hatte immer mit dem Widerstreit von gegensätzlichen Positionen zu tun.

>Können wir wirklich nicht raus aus unseren Denk- und Erklärungsmustern?
Die uns, wie wir doch längst in der großen Gesellschaft sehen, nur immer weiter auseinanderbringen?<

In der "großen Gesellschaft" findet der konstruktive Streit unter Demokraten derzeit "oben" nicht statt.
Das ist m.E. das Problem.
Dies findet genau deshalb sein Ventil "unten". Oft unter der Gürtellinie.
Also auf der Straße oder in diversen Netzwerken.

Die Alternative ist für mich der kultivierte Austausch unter Zweiflern und Neugierigen.
Der Kultourbus als Refugium für Gleichgesinnte wird bald mit Getriebeschaden auf der Strecke bleiben.

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#9

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 20:03
von Wassermann • 140 Beiträge

Printmaker, ich hoffe, Du hast meinen Eingangsbeitrag nicht so verstanden, dass ich ein Refugium für gleichgeschaltete Gesinnungsgenossen anstrebe.
Im Gegenteil. Mir geht es ja gerade um den "kultivierten Austausch unter Zweiflern, Neugierigen und, möchte ich noch ergänzen, Weiterdenkern.
Ich wollte auch keine Diskussion abwürgen, sondern nur verhindern, dass wir in die gleichen Muster wie in mF fallen.
Und auch, wenn ich mich sonst über jeden Kommentar zu meinen Beiträgen freue, so sollte EinsTdreiundvierzig lediglich zum Insichgehen anhalten und nicht den Dresden-Block fortsetzen. Ich meine, das hatte ich eingangs so geschrieben.

"Wie soll das gehen ohne miteinander zu sprechen bzw. auch zu streiten?"
Ja, die Frage ist genau richtig gestellt.
Nur nicht an mich.

Denn es ist ja gerade mein Anliegen, das Streiten "zu üben".
Jedoch nicht zum Selbstzweck.
Der kommt immer nur zum Ausgangspunkt zurück. Das kann nicht das Ziel sein, das der Weg meint.
Sondern streiten im Sinne des Weges, der das Ziel ist. (Danke, Laura, genau das ist es.)

Jetzt ganz in Deinem Sinne weiter, Printmaker:
Ich sage:
Ohne Streit in der Sache brauchen wir nicht mal ein Getriebe.
Dann könnten wir den Bus auch bunt angemalt in einen imaginären Sonnengarten stellen und uns in Beliebigkeit sonnen.

Mit Versenkung ist das Ausklinken aus der Wirklichkeit gemeint, entweder aus Gründen eines postulierten Weltbildes oder eben auch, wie es Virginia beschrieb, und wie es wahrscheinlich vielen von uns schon ankam... aus Gründen der Psyche.
Das mit dem Weltbild muss ich nicht weiter erläutern, das ist ja nicht zu übersehen und zu überhören.
Bezeichnend finde ich, dass gerade die Vertreter dieser Fraktion den Streit nicht nur nicht aushalten, sondern sich gar nicht aufrichtig stellen. So wird über die eigentlichen Fragen gar nicht erst diskutiert, sondern immer wieder auf Nebenschauplätze ausgewichen.
Das kann man ja nun auch im Wahlkrampf erwartbar beobachten.
Leider fallen sehr viele darauf herein. Weil sie es wollen?

Das andere geschieht im Stillen, ein schleichender Prozess.
Man zieht sich aus der (pseudo)informellen Flut zurück, weil es einem zunehmend schlechter damit geht.
Man will die schlechten Dinge im wahrsten Sinne nicht wahr sein lassen und eben auch gar nicht haben.
Nicht die Schuldigen, sondern der Bote wird schuldig gesprochen. Wie in der Geschichte schon häufig.
Nicht auszuhalten, das alles.

Also schaltet man beide Seiten ab, die Achse der Bösen und die der Guten. Jetzt bin ich ganz durcheinander, wer was ist.
Und Ruhe ist.
Doch nicht.
Denn die Pseudoinformatiker denken gar nicht daran, einen unbehelligt auch nur Musik hören und an nichts weiter denken zu lassen, vor allem nicht ans Zweifeln und Weiterdenken.
Gestern Morgen machte ich das erste Mal diese Woche das Radio an. Und eine Minute später wieder aus, nachdem ich einige Sätze mit anhören musste.

Kann ich gerade gar nicht mehr.
Da muss ich noch ein bisschen Gelassenheit üben.
Auch eine Gratwanderung übrigens, weil man immer leicht in die Gleichgültigkeit fallen kann.
Wo man dann in großer Gesellschaft wäre.

Also Versenkung durch Ausklinken.
Die vermeintliche Lösung durch Loslösung von dem ganzen Mist.
Wissend, dass die Dinge trotzdem ihren Lauf nehmen.
Hinter der Milchglasscheibe.

Mich selbst bedrückt die zunehmende Sprachlosigkeit sehr, das vergiftete Schweigen.
Ich brauche das Schreiben für mein Gleichgewicht.
Da liegt man, natürlich auch ich, manchmal ganz schön schräg und manchmal sieht man dann auch manches nicht richtig senkrecht im Lot.
Soll heißen, man ist nicht immer ausgewogen und möglicherweise auch mal ganz daneben.

Ich bin nicht immer einverstanden mit allem, was Wolo sagt - so wie bei dem Dresden-blog.
Oft genug jedoch decken sich seine Beobachtungen mit meinen.
Und manchmal wählen wir dann beim Weiterdenken nur verschiedene Wege.

Das ist der Normalfall von lebendiger Kommunikation.
Es kann hier nicht um gegenseitiges Überzeugen gehen.
Um Austausch, Einsichten und Aussichten wohl eher.

Versuchen wir, offen zu bleiben für unsere auch unterschiedlichen Blickwinkel und Gedanken.
Gerade darin, dass wir alle Suchende auf einem Weg sind, liegt für mich der wesentliche Sinn dieses Forums.

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#10

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 26.02.2017 21:26
von VirginiaWoolf • 37 Beiträge

Gelassenheit gewinnen, das ist auch für mich zutreffend.
Ich brauche Abstand um auch Gelassenheit zu gewinnen, um wieder rational mit all den schlechten, traurigen, scheinbar unabwendbaren Dingen umgehen zu können... denn mir ist bewusst, dass so manche Dinge wahr sind, so schmerzhaft wahr bzw. wirklich sind.

Und wie oft liefern schon die "Schuldigen", die Verantwortlichen falsche, schön gefärbte Informationen, wie z.B. die monatlichen Arbeitslosenstatistiken. Die Verdummung schon von den Verantwortlichen ärgert mich teils maßlos, weil wir eben diese Schönfärberei schon kennen, aus früheren Zeiten. Was kann man dagegen tun?
Oder die Verantwortlichen wie auch die Boten liefern ein "wahrscheinlich". "vermeintlich", "vermutlich", "mutmaßlich" ... formulieren ständig im Konjunktiven, entweder, weil sie es wirklich nicht besser wissen oder die deutsche Sprache nicht beherrschen.

Was soll man also dann mit solchen Botschaften, die einen grübeln und spekulieren lassen. Auch deshalb informiere ich mich nur über das nötigste, also kein vollständiges Ausklinken, nur ein Kürzertreten.

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#11

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 27.02.2017 17:23
von Mete • 159 Beiträge

Virginia, Du sagst es: "Gelassenheit lernen" - aber im Grunde kann man das gar nicht mehr. Bemühen sollte man sich und das, was man uns so täglich als Information und Wahrheit zu vermitteln sucht, genau sortieren und das meiste davon schlicht gegen eine Seite im Buch, gegen ein Bild oder gegen eine Melodie austauschen. Wir reden uns hier um Kopf und Kragen und können eigentlich nichts mehr sonderlich beeinflussen.

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#12

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 27.02.2017 18:24
von Wassermann • 140 Beiträge

"…und können eigentlich nichts mehr sonderlich beeinflussen."

Du sagst es Mete.

Das ist einer der Gründe, die mich zu meiner Entscheidung bringen, das Stehpult in Sprechers Eck herauszunehmen - in jedem Fall - und eventuell weitere Foren auch.

Gleichzeitig bitte ich darum, sämtliche politischen Themen auch aus den anderen Foren (Pfilophosophisches, Bloghütte usw.) draußen zu lassen.
Mir ist bewusst, dass es neben mir zumindest noch drei, vier Mitreisende gibt, die das bedauern werden.
Doch scheint es mir die einzige Möglichkeit, diesen Bus nicht ganz verschrotten zu müssen.

Es tut mir leid, es funktioniert einfach nicht.
Ich gebe zu, ich hatte viel zu hohe Erwartungen, aber das ist bitte nicht als Vorwurf zu lesen.
Mir ist klar geworden, dass so ein Forum das nicht leisten kann und nicht der geeignete Ort für konfliktträchtige Themen wie Politik und Gesellschaft ist.
Das ist ganz und gar nicht sarkastisch gemeint. Ich sehe es wahrscheinlich nur zu spät ein.

Von den knapp 5 Handvoll angemeldeten Leuten waren es zuletzt noch eine Handvoll, die sich dazu äußerten.
Und das Wort streiten schreckt offensichtlich ab, obwohl es das gerade nicht will.

Nach dem Weggang von Kleiner Baer, die ich mit ihren sinnigen und sinnlichen Beiträgen sehr vermissen werde, hat sich bei mir die Vermutung zur Gewissheit entwickelt, dass die meisten der nichts mehr Beitragenden deshalb weg bleiben, weil sie mit diesen umstrittenen Themen nichts zu tun haben wollen.
Jede® wird ihre / seine Gründe dafür haben, und das ist zu respektieren.

Dass ich selbst darüber enttäuscht bin, soll keinerlei wertende Aussage haben.
Ich kann Menschen, die lediglich einen schönen Kleinen Ort zur unbelasteten Kommunikation suchen, auch sehr gut verstehen.
Und als solcher soll der Bus nun erst einmal auch noch erhalten bleiben, wenn das im Interesse von genügend Mitreisenden liegt.
Das bedingt sicher, dass sich auch jene (wieder) oder erstmalig mit ihren Themen beteiligen, die sie gerne einbringen können... ich hatte zur Vielfalt ja immer ermuntert.

Allerdings entsteht Vielfalt nicht aus dem Bemühen einiger weniger.

Ich werde das Forum in dieser Form noch einige Tage weiterlaufen lassen mit der Bitte, dass diejenigen, welche sich überhaupt noch beteiligen wollen (wie gesagt, ab sofort ohne politische Themen), dies in den nächsten Tagen im Forum zum Ausdruck bringen.

Sollte der Kreis tatsächlich so klein bleiben, wie er nun geworden ist, werde ich diesen Kleinen Ort lediglich auf ein, zwei Foren und die Bildergalerie verkleinern, mehr hätte keinen Sinn.


zuletzt bearbeitet 27.02.2017 18:26 | nach oben springen

#13

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 27.02.2017 19:30
von Klara • 97 Beiträge

Ich werde mich morgen äußern, heute bin ich zu müde...
Nur vorab, ich wünsche mir keinen Häkelclub, das kann ich nun wirklich nicht gebrauchen....
Ich möchte mich reiben, schrieb ich vor einiger Zeit...und daran hat sich rein gar nichts geändert...

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#14

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 28.02.2017 15:02
von Laura • 95 Beiträge

Vom Bus ins Sammeltaxi, lieber Wassermann. Mein Vorschlag.
Während der Fahrt stellen wir unbedingt den Großbildschirm an - wie bei meinem Zahnarzt - bestückt mit idyllischen Fotos einer heilen Welt, die die Mitfahrerseelen freudig hüpfen lassen und von allen negativen Gedanken, so es die geben sollte, ablenken.
Es wird sicher den einen oder anderen Reisenden geben, dem während der Fahrt über Berg und Tal übel wird, aber dann machen wir das Fenster auf und gut ist es!

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#15

RE: Quo vadis?

in Bloghütte 28.02.2017 15:13
von altes haus • 22 Beiträge

einverstanden, lieber wassermann

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