#1

Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 08.05.2017 21:19
von magentis • 652 Beiträge

Singles Hier, "Restfamilienmilieu" Da, Ausgegrenzte Dort, wir jüngeren "Digitalpsychopathen" Dazwischen , Flaneure da hinten, Einsame verstreut, Bratkartoffelverhältnisse überall und rundherum und immer wieder und überhaupt...

Und wie gehts Dir sonst so? So'n scheißgrauer Himmel, mensch...

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, stimmts Adorno-Theo?

...


zuletzt bearbeitet 08.05.2017 21:24 | nach oben springen

#2

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 08.05.2017 23:19
von Wolo • 187 Beiträge

"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen" klingt nach Antithese zu "Multikulti".
Aber diese kleine vernachlässigbare Dissonanz hat wahrscheinlich noch je keinen davon abgehalten, beides gleichzeitig "gut und richtig" zu finden ...

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#3

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 09.05.2017 17:48
von Mete • 195 Beiträge

Ich meine, es muss halt jeder seinen Platz im Leben suchen und schlimmstenfalls den annehmen, den das Leben ihm zuweist und das Beste daraus machen. Das sog. gesellschaftliche Leben unserer Großeltern mit den vielen Zwängen "wegen der Leute" wäre - hätte ich die Wahl - nicht mein Ziel. Aber im Restaurant herumstreunende kleine Kinder, die auf kein mütterliches Wort reagieren, ist auch nicht das, was ich mir so vorstelle...

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#4

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 09.05.2017 18:26
von ernst • 72 Beiträge

"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen" wurde uns DDR-Bürgern von unseren Landsleuten nach 1989 vorgehalten. Demnach war es egal, ob man sich angepasst oder verweigert hat.

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#5

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 10.05.2017 00:53
von Wolo • 187 Beiträge

@ernst: Ein interessanter Gedanke!

@Mete: Ich hab' vorhin einen kurzen Blick in Coudenhove-Kalergi geworfen. Einer der "geistigen Väter" unserer geliebten EU; den nach ihm benannten Preis tragen Merkel, Kohl und Junkers. Der vertrat so ganz krude (oder sollte ich besser sagen: wahnsinnige?) Thesen ("Die eurasisch-negroide Zukunftsrasse, äußerlich der altägyptischen ähnlich, wird die Vielfalt der Völker durch eine Vielfalt der Persönlichkeiten ersetzen.")
Wie auch immer, der unterscheidet stark zwischen dem "Landmensch" und dem "Urbantypus", ersterer "konservativ" und eingebunden, letzterer "fortschrittlich" (ich würde übersetzen: verlottert ungebunden etc.) ist. Vielleicht ist was dran ;)


zuletzt bearbeitet 10.05.2017 01:07 | nach oben springen

#6

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 10.05.2017 15:59
von Printmaker • 30 Beiträge

Was wäre das richtige und was das falsche Leben?
Wer hier "Orientierungshilfe" geben möchte, der wird Mißtrauen ernten.
Das finde ich völlig in Ordnung.

Und wie von Mete schon angedeutet: die sogenannten "geordneten Verhältnisse" erweisen sich nur für denjenigen sinnvoll geordnet, der nicht näher hinschauen möchte bzw. für den Konservatismus ein Wert an sich ist.

@ernst
Die neuen Landsleute waren nicht selten deformierte, gebeugte und angepaßte Charaktere.
Die DDR als Projektionsfläche für defizitäre Weltsichten kam da gerade recht und so ist es denn auch geblieben.
Der mdr liefert dafür den alltäglichen Beweis.

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#7

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 10.05.2017 17:06
von Mete • 195 Beiträge

Du lieber Himmel, Wolo@, eurasisch-negroide Zukunftsrasse - wo soll denn das hingehen? Die alten Ägypter würden sich sicher kräftig beschweren, vergliche man sie mit denen, die nun entstehen sollen. Es sind wirklich krude Thesen, und ich frage mich, warum noch keiner der Geehrten sich beschwert und die Ehrung mit dem Hinweis darauf abgelehnt hat. Aber auch dazu gehörte wieder Courage...
Deine Interpretation der Typen wie angesagt kommt sicher hin. Die Vergleiche - ich komme eben aus der Großstadt zurück - bieten sich an.

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#8

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 10.05.2017 18:26
von magentis • 652 Beiträge

@Wolo

Verlottert-ungebunden, hihi. Woody Allen oder Schimanski + M65-Jacke.

Nee, ich bleib der gesunden Mitte zwischen Dorf und Großstadt-Pulverfass, also in meiner 30er-Jahre-Kleinstadt. Hier hab ich die Vorteile beider Extreme. Die Anonymität der Großstadt und gleichzeitig die Ruhe plus Kikeriki aufm Misthaufen wie auf dem Dorf. Gesunde Mitte eben.

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#9

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 10.05.2017 21:22
von Wolo • 187 Beiträge

@printmaker: Es wird sich im Zusammenleben immer irgendeine Ordnung einstellen. Das Fundament einer höheren Ordnung kann nur die eigene Tradition sein. Alles andere wäre faktisch kulturelle Degeneration.
Glücklicherweise zählt die Skepsis zu unseren Traditionen.

@mete: Ich war zu "faul" das Buch von 1925 ganz zu lesen. (Mach' ich aber noch.) Also kann ich dazu nicht's sagen.
Man muss bei Sachen aus der Zeit generell beachten, dass Darwins Erkenntnisse damals noch relativ frisch waren. Genau wie auch Marx etc. und die ganze Naturwissenschaft.

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#10

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 10.05.2017 21:57
von magentis • 652 Beiträge

Im Prinzip könnte aus der völlig zersplitterten Milieugesellschaft irgendeine neue Stufe entstehen.

Vielleicht so postkapitalistische Regionalzentren mit Parteisekretären, aber privatwirtschaftlich geleitet von irgendwelchen Veggie-Öko-Warlords, die aber durch bürokratische Sicherungen keine Oligarchen werden können.

Irgendwie so Landwirtschaft v2.0, vielleicht.

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#11

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 11.05.2017 17:53
von Mete • 195 Beiträge

Genau, @ Wolo, man muss die Dinge in den Zusammenhängen der Zeit sehen, in welcher sie geschrieben wurden. Für das Buch brauchst Du sicher Geduld, denn man hatte ja damals Zeit für geistige "Umwege" und ging die auch. Wir, ich jedenfalls, wollen es immer "von vorn und geradeaus" wissen...

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#12

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 12.05.2017 22:29
von Printmaker • 30 Beiträge

@Wolo

Zitat
@printmaker: Es wird sich im Zusammenleben immer irgendeine Ordnung einstellen. Das Fundament einer höheren Ordnung kann nur die eigene Tradition sein. Alles andere wäre faktisch kulturelle Degeneration.
Glücklicherweise zählt die Skepsis zu unseren Traditionen.



Da interessiert mich doch jetzt brennend der Unterschied zwischen "irgendeiner" Ordnung und der "höheren" Ordnung.
Was wären die kennzeichnenden Merkmale von letzterer?
Und was bitte ist "eigene Tradition"?
Die wäre ja in Ost- und Westdeutschland durchaus unterschiedlich.
Oder auf welche Zeiträume bezieht sich das?

Das Skepsis zu unseren nationalen Traditionen zählt...der Gedanke drängt sich mir nicht unbedingt auf.

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#13

RE: Die orientierungslose Gesellschaft...

in Bloghütte 13.05.2017 00:08
von Wolo • 187 Beiträge

@Printmaker, gerne kann ich dir meine Vorstellung erläutern:

Zitat
Da interessiert mich doch jetzt brennend der Unterschied zwischen "irgendeiner" Ordnung und der "höheren" Ordnung.
Was wären die kennzeichnenden Merkmale von letzterer?

Nun, ich schrieb nicht zufällig von Fundament. Stellt das Fundament doch die "Werkzeuge" bereit, um zu der den Traditionen folgenden höheren Ordnung zu gelangen. Ausgehend von unserer Kultur steht das also verhältnismäßig offen und jeder "Vorschlag" sollte skeptisch betrachtet werden können.

Der uns selbstverständliche Fortschrittsgedanke ist eine Frucht dieser Entwicklung. Es gibt (dogmatischere) Kulturen mit traditionellen Fundamenten, die sich in dieser Beziehung wesentlich determinierter darstellen und die diesen Gedanken nicht teilen.

Zitat
Und was bitte ist "eigene Tradition"?
Die wäre ja in Ost- und Westdeutschland durchaus unterschiedlich.
Oder auf welche Zeiträume bezieht sich das?

Ist das nicht im sprachlichen Begriff selbst angelegt? Vom Persönlichen ausgehend, dem wohl die Traditionen angehören, die von den Familienmitgliedern selbst weitergegeben werden, bis zur menschlichen Eigenart der Fortbewegung auf zwei Beinen verdünnt sich das "eigene" des Tradierten selbstverständlich.
Und in diesem Sinne unterscheiden sich die Traditionen von Ost- und Westdeutschen logischerweise. Und doch sind die Unterschiede global betrachtet marginal.
Zumal es die spezifische Kombination zahlloser Traditionen ist, die hier gemeint war.

Zitat
Das Skepsis zu unseren nationalen Traditionen zählt...der Gedanke drängt sich mir nicht unbedingt auf.

Da Skepsis die Grundlage der Wissenschaft darstellt (wie wir sie verstehen), kann man Skepsis wohl auch zu unseren "nationalen Traditionen" zählen (gab es in der BRD nicht gar einst einen Wissenschaftsminister?).
"Eigentümlicher" (oder auch "identitätsstiftender") ist sie aber wohl auf der europäischen Ebene.


zuletzt bearbeitet 13.05.2017 01:19 | nach oben springen


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