#1

"Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 01.06.2017 14:02
von Wolo • 182 Beiträge

Meine These: Der Gutmensch hat keine Vorstellung "des Fremden" - für ihn ist ein kulturelles Moment nicht existent. Das Universalitäts-Dogma verinnerlicht, lebt er in dem festen Glauben, ALLE MENSCHEN auf dieser Welt sind genau wie er, nur eben manche (bzw. gar "die meisten") durch Umstände daran gehindert, sich so "reich" zu entfalten wie er selbst.

Resultat: Der Flüchtling als Haustier, oder wenigstens Wohlfahrtsempfänger von Gutmenschs Gnaden. Ein Ding zum Hätscheln (positiv diskriminieren) und Sich-Im-Eigenen-Gefälligsein-Wohlfühlen. Im Grunde eine pervers ausgeprägte Herrenmenschenattitüde.

Zitat
Viele haben jetzt „einen Syrer“. „Unser Flüchtling hat gestern …“ – so beginnen die Erzählungen.


https://www.taz.de/!5409436/

(Man beachte die bemitleidenswert gutmenschlichen Kommentare zum Artikel.
Nebenbei, meine Leseart: Der Honk hat sich einen dummen, faulen Arsch an Land gezogen, von dem er sich als Weichbirne auf billigste Weise emotional erpressen lässt. Viel Spass noch - vielleicht gar noch ein paar Jahre lang! Am besten noch eine fette Finanzbürgschaft am Ende, um ihn "loszuwerden"!)

Ich habe schon einmal auf so eine Kika-Propagandasendung hingewiesen (pur+ "Mein neuer Bruder ist Flüchtling"). Dort wurde natürlich eher versucht, so einen Rohrkrepierer als Erfolgsmodell zu verkaufen. Wenn man allerdings (gegen Ende der Sendung) einmal genauer auf die Körpersprache (besonders der jüngeren "Schwester") geachtet hat ...

Aber ich will nicht nur mosern:
Auf Deutschlandradio Kultur gab es irgendwann auch einen Bericht aus diesem Milieu. Die Betroffene dort musste die Erfahrung machen, dass es offenbar Kulturen auf diesem Planeten gibt, in denen die Menschen als Konfliktvermeidungsstrategie (falsche) "Freundlichkeit" der "Ehrlichkeit" stets vorziehen. Immerhin, da wurde etwas gelernt.


zuletzt bearbeitet 01.06.2017 19:53 | nach oben springen

#2

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 01.06.2017 16:10
von Mete • 188 Beiträge

Die LVZ veröffentlichte dieser Tage einen Artikel, in welchem der Anteil der Ausländer aufgelistet war, die in unserer Mitte leben und sich beruflich eingeordnet haben. Interessant war, dass keine Menschen aus den Ländern dabei waren, die ihr soziales Heil jetzt in unserer Mitte suchen. Vielleicht war D bis vor einigen Jahren nicht sonderlich begehrenswert, weil man Leistung einforderte und nicht mit Geld und sog. Menschenliebe so großzügig war.
Und "mein/unser Flüchtling" ist eigentlich ganz grauenhaft und entwürdigend für diese Menschen. Aber sie werden es hinnehmen, es geht ihnen ja gut dabei.

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#3

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 01.06.2017 18:58
von Klara • 106 Beiträge

Vor einiger Zeit entdeckte ich an einem Haus eine Tafel mit folgendem Spruch:

Geben und Nehmen und Tauschen
( Chinesischer Teekannenspruch )

Das Verhältnis, das Geben und Nehmen stiftet,
ist eine Elementarform des Sozialen,
das es zugleich beschädigt.

Ein Geber setzt sich in Überlegenheit,
der Nehmer ordnet sich unumgänglich unter.

Die einzige Möglichkeit,
Überlegenheit wie Unterordnung zu vermeiden,
ist die Verweigerung zu geben oder zu nehmen.

Die einzige Möglichkeit,
gerechte Verhältnisse zu schaffen,
ist die Herstellung gleichwertiger Tauschbedingungen.


Geben ist immer schöner als nehmen, wer fühlt sich nicht gut, wenn man anderen Menschen helfen kann.
Es gibt allerdings Menschen, bei denen das Helfen nicht im Vordergrund steht, sie wollen sich gut fühlen, und das, was sie „ Leisten, daran lassen sie auch ganz viele Menschen teilhaben.
Ich habe eine Frau erlebt, die eine Flüchtlingsfrau wie ein kleines Kind behandelte:

„…ich werde dir viel beibringen, ich bin nämlich Lektorin!“ und das sagte sie so laut, dass es auch jeder im Umkreis mitbekam.

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#4

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 02.06.2017 15:52
von ernst • 72 Beiträge

Unser Flüchtling wird jetzt abgeschoben. Er ist Arzt, in der Zeit, in der er hier ist, lernte er perfekt Deutsch (er sprach es vorher nicht), auch fachsprachlich und erlangte die notwendigen Zertifikate. Nun könnte der die Anerkennung seiner Approbation angehen. Aber daraus wird ja nun nichts.

Lieber wären mir auch Verhältnisse (ich klaue mal bei Klara):
"Die einzige Möglichkeit,
gerechte Verhältnisse zu schaffen,
ist die Herstellung gleichwertiger Tauschbedingungen."

Das jedoch bringt keine (sofortige) Dividende und wird deshalb wohl auch unterbleiben. Daraus folgt, es wird wohl weiter Flüchtlinge geben.

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#5

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 02.06.2017 17:16
von Mete • 188 Beiträge

Ich frage mich immer wieder, welche Maßstäbe für eine Abschiebung eigentlich gelten. Bisher las ich immer, dass es Menschen betraf, die sich gut hier eingelebt hatten und eigentlich genau den Vorstellungen entsprechen, die man sich für einen längeren Aufenthalt in unserem Land wünscht. Jene, die mit allen Mitteln nur ihr eigenes Wohlergehen suchen, scheinen offenbar nicht für eine Rückführung ins Heimatland in Frage zu kommen. Oder weiß bei den zuständigen Ämtern die rechte Hand nicht, was die linke tut?

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#6

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 03.06.2017 02:10
von Wolo • 182 Beiträge

@mete, genau diesen Eindruck habe ich auch. Wobei es natürlich eben auch nur der Eindruck sein kann.
Also man könnte leicht meinen, es stecke Absicht dahinter. Also nicht nur, was das Große und Ganze der Angelegenheit angeht, sondern eben auch in diesem Detail. Um Ernst's Beispiel zu ergänzen, sowas läuft auch invert:
https://www.berlinjournal.biz/minh-anh-d...icht-beerdigen/
(Man darf allerdings nicht vergessen, dass diese ganze Abschiebesache aufgrund der tatsächlich realisierten Zahlen in der Praxis eigentlich völlig irrelevant ist)

@ernst, wenn man das so betrachtet, dann muss man sich fragen, wer den Handel organisiert. Ich bin es nicht, so wenig wie ein "einfacher" Pakistani oder Somalier.
(Mal abgesehen davon, dass ich bzgl. des Produktions- bzw. nachfolgend Tauschproblems ja eine ganz andere Sicht habe :)


zuletzt bearbeitet 03.06.2017 02:12 | nach oben springen

#7

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 03.06.2017 11:40
von Wassermann • 148 Beiträge

Hier ein Ausschnitt aus Kommentaren zum ganz normalen Wahnsinn.
Gewissermaßen ein flüchtiges Schlaglicht auf alle Tage - Alltag.
(alles im Original, unbearbeitet also)

Rene L.

Hier haben wir eine Gruppe junger Berufsschüler, die davon überzeugt ist moralisch absolut richtig zu handeln. Fast die gesamte Schülerschaft setzt sich für einen Mitschüler ein. Eigentlich eine tolle Sache. Aber machen Sie das wirklich für den Afghanen oder doch eher um ihre moralische "Überlegenheit" (eher Überheblichkeit) zu demonstrieren?

Für diese Schüler zählen keine Fakten oder Beschlüsse, allein ihre Indoktrination lässt diese jungen Leute glauben absolut richtig zu handeln. Für sie wird auch die sehr bedenkliche Drohung, die der Afghane ausgesprochen hat, immer eine Lüge sein. Sowas können sich die Berufsschüler nicht vorstellen. Schon allein, weil dass bedeuten würde das Sie dem falschen geholfen und unterstützt hätten.
Für mich ist klar was mit dem Afgahnen passieren SOLLTE, der gehört schnellstens zurück nach Afghanistan. Aber ich weiß nicht wie man mit den Schülern umgehen soll. Durch ihre Erziehung, bestimmt auch ihre Lehrer und ihr einheitliches Umfeld, glauben Sie das einzig richtige getan zu haben. Auch Menschen mit einer solchen Einstellung sollten lernen das eigene Verhalten immer wieder neu zu hinterfragen.

Domfalknerin


Abgesehen davon, dass man nicht weiß, wieviele "Brüder" unter den Berufsschülern waren, die ihrem Mitschüler zur Seite standen, sind es eben junge Leute und da fehlen einfach die Erfahrungshintergründe, um Dinge im Zusammenhang einzupordnen. Ich denke, mit 18 Jahren wäre ich genauso empört gewesen und hätte das nicht verstanden, hätte wahrscheinlich genauso ob dieser "Ungerechtigkeit" und überhaupt dem "martialen" Aufmarsch von Uniformierten protestiert (freilich ohne die Polizei mit Ziegelsteinen zu bewerfen), die da kommen und diesen "armen" Mitschüler aus dem Unterricht abholt, um ihn abzuschieben. Ja, und selbst die Aussage, er käme wieder "um Deutsche in die Luft zu sprengen" hätte mir weniger zu denken gegeben, wäre doch entschuldbar gewesen, schließlich war er doch in einem emotionalen Ausnahmezustand, der Arme, nicht wahr? Mit mehr Lebenserfahrung und besserer Menschenkenntnis ausgestattet sehe ich das heute aber (leiderß) anders.


Jakob B.


"(leider )anders."

Ähh, meinten Sie nicht "(zum Glück) anders ?

Domfalknerin


@Jakob B.: Nein, (leider) anders. Ich erinnere mich nämlich noch sehr gut an das sehr schöne Gefühl jugendlicher Ideale, durch das man die Welt sieht, als einen Ort, wo eigentlich doch alle nur glücklich sein und in Frieden zusammenleben wollen und alle Menschen im Grunde gut sind. Und natürlich steht man selbst auf der Seite des Guten und ist auch selbst ein guter Mensch, ein sehr guter Mensch sogar. Ein großartiges Gefühl! Heute weiß ich, dass wirklich alle Menschen glücklich sein wollen, nur leider verstehen manche Menschen darunter, dass sie alles für sich haben und andere beherrschen wollen und ihnen gleich ist, ob diese dabei leben, leiden oder sterben, ja manche haben sogar Freude daran, anderen Leid zuzufügen. Ja, und dann stellt man noch mit der Zeit fest, dass man selbst auch gar kein so guter Mensch ist, wie man immer dachte. Man hat genauso Fehler gemacht, anderen wissentlich oder unwissentlich Unrecht getan und sie verletzt, ist genauso schwach und egoistisch, ängstlich und kleinmütig und genauso in den eigenen Vorstellungen gefangen, wie alle anderen auch. Beides - der Abschied vom lichten Bild der Welt und vom lichten Eigenbild ist schmerzhaft. Deshalb "leider".


Gleichzeitig frage ich mich (nicht mehr), warum ausgerechnet eine nepalesische Schülerin mit Familie abgeschoben wird.
Weil sie keine AdvoCard hat? Weil sie nicht dem richtigen Kulturbeutel zugehörig ist? Weil sie nicht so viel Probleme macht beim Zurücksenden?
Oder vielleicht, weil damit genau gegenteilige Emotionen befördert werden. Sollen.
?


zuletzt bearbeitet 03.06.2017 11:41 | nach oben springen

#8

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 03.06.2017 15:19
von ernst • 72 Beiträge

Wie das mit den Abschiebungen geht? Ich weiß es nicht, auf jeden Fall haben Integrationserfolg und Bleiberecht nichts miteinander zu tun. Das können sie auch nicht. Asyl wird Leuten gewährt, die an Leib und Leben bedroht sind. Kann man das nicht gerichtsfest nachweisen, dazu dient das Interview vor dem BAMF, dann muss man gehen. Der junge Arzt, s.o. hat das Problem, dass aus dem Umfeld seiner Familie einige Menschen aus politischen Gründen getötet wurden. Nun hat er panische Angst vor einer Rückkehr. Das hat er aber alles nicht schriftlich.
Wir haben kein Einreisegesetz. Gäbe es das, könnte der Staat Berufsgruppen ausschreiben, die hier dringend gebraucht werden, um das Gemeinwesen am Laufen zu halten. Diese Menschen sind dann keine Asylanten sondern Zuwanderer, die hier auf einer der freien Stellen arbeiten wollen. Unser System der blue Card funktioniert nicht so richtig, weil man bei Antragstellung eine Stelle mit entsprechend hoher Dotierung nachweisen muss. Das würde z.B. bei Altenpflegern nicht klappen, weil diese Stellen nicht so hoch dotiert sind.

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#9

RE: "Unser Flüchtling"

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 06.06.2017 17:24
von Wolo • 182 Beiträge

@ernst, kann der junge Arzt nicht auf eine aktuelle (und auch künftig mögliche) Anstellung verweisen?

Eine Migrationsgesetzgebung würde an der aktuellen Zuwandererqualität und vorallem Quantität nichts im positiven Sinne ändern. Zumal ja eben der staatlich geduldete und gar geförderte AsylMISSBRAUCH das Problem ist, welches davon völlig unberührt bliebe.

Wenn zu viele Altenpflegerstellen unbesetzt sind, so liegt das nicht daran, dass in Deutschland Vollbeschäftigung herrscht, sondern daran, dass die Löhne da einfach zu niedrig sind. Hier zu sagen, da sollen irgendwelche jungen arabischen Männer(!)* einspringen, ist meines Erachtens aus kulturellen Gründen nicht nur vermessen in der Sache, sondern ist auch schlicht Befürwortung von Lohndrückerei.

*) Junge Arabische Männer sind die stärkste Gruppe der Einwanderer. Ob diese nun tatsächlich Asyl begründen können oder aus "wirtschaftlichen Gründen" einwandern ist für diese Betrachtung irrelevant. Weil - wie die Kanzlerin so "schön" sagte: SIE sind nun einmal da und sie sind es offenbar, die kommen wollen - auch künftig, die Existenz des skizzierten Einwanderungsgesetzes angenommen.


zuletzt bearbeitet 06.06.2017 17:26 | nach oben springen


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