#1

Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 15.10.2017 11:00
von Wolo • 187 Beiträge

Ich hatte ja einmal diesen Strassenbahnfilm von Leipzig 1931 hier verlinkt. Das war ja ein gutes Zeugnis aus einer Krisenzeit. (Wassermann, es gibt auch einen von Erfurt, inkl. Krämerbrücke!)
Gestern ist mir das hier untergekommen, da musste ich auch wieder an diesen Strassenbahnfilm denken und damit natürlich auch an dich, Magentis.

https://www.youtube.com/watch?v=6oAVx6It5MM
Ist so etwas erstrebenswert? Wessen Kultur ist das eigentlich?
Muss man die Deutschen nicht fragen "Seht! Wollt ihr DAS wirklich?"

Es ist ja nicht nur die City. Man kann gerne auch das Umfeld vergleichen.
Hier die ganze Strecke: https://youtu.be/fJzhNPKtR0Q (Tempeleinfahrt etwa hier)
Man beachte die VorortBebauung, die Freileitungen, die Strassen, die Strassenränder, die Mülltonnen, einfach alles ... ist das erstrebenswert, vorbildlich und hier überhaupt vorstellbar?

---

Ok, zum Abschluss noch eine Perle, als Wiedergutmachung sozusagen. Es ist ja Sonntag.
https://www.youtube.com/watch?v=S437bbcHseg
(Eine Frau und ihre E-94 - das es so etwas geben kann, herrlich!)


zuletzt bearbeitet 15.10.2017 18:01 | nach oben springen

#2

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 15.10.2017 11:42
von magentis • 653 Beiträge

@Wolo

Ja, so dieser typische Highline-Charakter. Schön ist was Anderes. So "ein Bisschen" Alptraum-artig.

Das Erfurt-Video ist natürlich auch klasse!

PS:
Ja, Barbara und ihr "Krokodil". Schon legendäres Video. Danke.


zuletzt bearbeitet 15.10.2017 11:48 | nach oben springen

#3

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 15.10.2017 18:01
von Wolo • 187 Beiträge

Hatte ja das falsche "Barbara-Video" verlinkt. Hier das richtige:
https://www.youtube.com/watch?v=S437bbcHseg
Wirklich gut!


zuletzt bearbeitet 15.10.2017 18:01 | nach oben springen

#4

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 15.10.2017 19:42
von magentis • 653 Beiträge

Super, danke!

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#5

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 15.10.2017 20:08
von Mete • 195 Beiträge

Irgendwie hatte es Lang in seinen alptraumartigen (für mich jedenfalls) Filmen schon vorausgesehen.
Aber die Leute haben ihre Augen doch mehrheitlich auf ihre Smartphones gerichtet, da können sie sich die Wunschbilder heranzaubern und somit die Gegenwart vor dem Fenster vergessen...
Was die Frau auf der Lok betrifft: da gab es in der DDR einige wunderschöne Streifen, die von Lokführern auf alten Lokomotiven mit allen körperlichen Belastungen sprachen. Man sah in die wettergegerbten Gesichter der meist nicht mehr jungen Männer und erkannte, wie eng die innere Bindung zu den alten und wohl auch treu arbeitenden Maschinen war.

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#6

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 29.10.2017 20:45
von Wolo • 187 Beiträge

@Mete, an Metropolis musste ich auch denken. Auch wenn Chicago nur wie eine Art nochmals abgespeckte und schmucklosere Version daherkommt.

Die Frau auf dieser Lokomotive sagt ja übrigens, dass sie das da ganz angenehm hat (im Gegensatz zu diesen Leuten auf dem martialischen Dampflokomotiven). Und es stimmt ja auch ;)

Ich glaube ja, dass die seit wenigen hundert Jahren mit "wissenschaftlichen Mitteln" entwickelte Technologie als Werkzeug zur Erweiterung der "materiellen Potenz" des Menschen den Höhepunkt ihrer sinnvollen Entwicklung irgendwann Mitte des letzten Jahrhunderts gehabt haben muss.

Technologie hat schon seit jeher zwei Seiten: Die Hilfe bei der Befriedigung von Bedürfnissen und die Wirkung der Entfremdung (des Menschen von dem, was wir mittlerweile als "Natur" begreifen)

Zumeist alles, was heute noch an Weiterentwicklung kommt ist m.E. Firlefanz, der dem Menschen letztlich weniger helfen wird, als er ihn überproportional stark entfremdet.


zuletzt bearbeitet 29.10.2017 20:58 | nach oben springen

#7

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 30.10.2017 17:33
von Mete • 195 Beiträge

Wolo, da stimme ich Dir absolut zu. Gestern sah ich einen kleinen Film über den von mir sehr geschätzten griechischen Geiger Leonidas Kavakos. Er sagte gesprächsweise, dass man in unserer Zeit keine neue Kunst schaffen sollte, und erklärte damit, warum er keine Auftragskompositionen für sich vergeben würde. Ich höre relativ viel zeitgenössische Musik und wenn mir etwas interessant ist bzw. gefällt, wurde es vor 10 oder mehr Jahren geschaffen. Auch das künstlerische Schaffen gehört ja irgendwie zur Weiterentwicklung.
Mir kommen dabei gleich allerlei künstlerische "Objekte" - die drei Busse, die gestapelten Stühle usw usf - in den Sinn. Es verkommt so vieles zur "Wegwerf-Wahre".

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#8

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 30.10.2017 21:33
von Wolo • 187 Beiträge

Seltsam Mete, ich hatte gestern diese (teuren) Schrottskulpturen auf dem Ernst-Abbe-Platz in Jena noch im Sinn zu dem Thema, weil deren Bestandteile glaube ich aus dem Chicago-River stammen, was wohl der "geniale Bezug" zur Stadt Jena und deren Historie ist ... nunja ...

Was das Kunstschaffen angeht, so bekommt man heute wohl leicht den Eindruck der Verwahrlosung. So jemand wie ich bekommt allerdings nur die Oberfläche zu Gesicht. Und was da eben so hochgespült und verschachert wird, ist halt das, was im jetzigen Kontext irgendwie verwertet wird. Sprich: Das muss ja nicht das sein, was wirklich gut und schön ist und hernach als Abbildung bleiben wird. (Außer vielleicht zur Abschreckung und Warnung :)

Übrigens: Technik und Kunst waren vor nicht allzu langer Zeit noch begrifflich auch eine Sache.
Ich kann nur nochmals auf diese Arbeit verweisen:
https://e-pub.uni-weimar.de/opus4/frontd...index/docId/760 (PDF-Link rechts oben)


zuletzt bearbeitet 30.10.2017 21:42 | nach oben springen

#9

RE: Ausschau

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 31.10.2017 17:10
von Mete • 195 Beiträge

Danke Wolo, das habe ich wiederholt und mit Interesse durchgelesen. Eigentlich kann man den Faden ja weiterspinnen...

Da habe ich mir gestern Ralph Giordanos "Ostpreußen ade" aus dem Regal gezogen, um noch einmal darin herum zu lesen. Dabei fällt mir ein Artikel der LVZ vom 20.3.2008 in die Hände, mit welchem man seinen 85. Geburtstag würdigt. Zitat Giordano: "Ich bin kein Anti-Muslim-Guru, auch kein Türkenschreck und ich habe nicht zum Bürgerkrieg aufgerufen, aber man muss die Dinge beim Namen nennen: In Deutschland ist eine schleichende Islamisierung im Gange, die unsere demokratische Republik bedroht". Und weiter: "Für einen Mann mit meiner Biografie sind Demokratie und Verfassungsstaat heilig, das Kostbarste überhaupt."
Da habe ich ziemlich gestaunt, denn mir war der Aufruhr von damals völlig entfallen. Es ging um den Bau einer Großmoschee in Köln.
Das war vor 9 Jahren...

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