#1

Entfernung

in Bloghütte 30.01.2017 19:12
von Wolo • 187 Beiträge

Ich habe vor über einem Jahrzehnt damit angefangen, Privatradio und -Fernsehen aus meinem Leben zu verbannen, also mich nur noch werbefreien ÖRR-Rundfunk auszusetzen. Auch habe ich mir angewöhnt, mir anders zugetragene Reklame möglichst zu ignorieren, also z.B. Werbeplakate oder Schaufensterwerbung (Poster) etc. Klingt vielleicht jetzt schwierig, ist aber nicht viel mehr, als dem Unsinn einfach keine aktive Aufmerksamkeit zu schenken (am Anfang muss man nur aktiv wegschauen wenn man sich dabei ertappt, das anzuschauen - nach einigen Wochen ist das automatisisert und passiert das von ganz alleine ...).

Wenn ich heute in Verlegenheit gerate, Werbung (im TV und Radio) zu sehen, bzw.zu hören, dann wirkt das stets atemberaubend schwachsinnig und zumeist geradezu wie die Ausgeburt von Geisteskranken (für Geisteskranke, muss man anmerken).

Also gut, was ich eigentlich fragen wollte: Gibt es hier noch jemanden, der das "Absurde durch Abstand" nachvollziehen kann?

P.S. Für viele ist Reklame mit "Kreativität" verbunden. Nunja, Reklame ist in dem Sinne "kreativ", wie es eben auch manche besonders ekelhaften Kriminellen und Schwerverbrecher sind.


zuletzt bearbeitet 30.01.2017 20:09 | nach oben springen

#2

RE: Entfernung

in Bloghütte 30.01.2017 20:55
von Wassermann • 148 Beiträge

Ich kann eine Szene erinnern, in der mein Banknachbar Peter mich einigermaßen fassungslos ansah und mich fragte:
Wie kannst Du nur diese Amischeiße machen!?
Er starrte hasserfüllt auf mein Blatt.
Auf dem ich schon mal für meinen künftigen Beruf als Werbetexter geübt hatte.
Ich selbst fand es durchaus gelungen, denn ausgleichend zu meiner eingeschränkten mathematischen Vorstellungskraft hatte mich - wer auch immer - mit einer uneingeschränkten Phantasie ausgestattet.
Und aus meiner Perspektive tolle Texturen aufs Weiße entworfen.

Ich glaube, es ging gerade um GK.
Also Gauß-Krüger.
Mein Koordinatensystem ging genau anders rum: kG, kreatives Gekritzel.
In einer streng nach den Normen der sozialistischen Moral und Ethik ausgerichteten Bildungs-Einrichtung des DDR-Innenministeriums hatte ich in nur 10 Minuten einiges auf die vier Buchstaben gestellt, was diesen Normen ähm... nicht ganz diametral.
Oder so.

Nun bin ich versucht zu erwähnen, dass Peter aus Dresden, also dem Tal der Ahnungslosen kam, dass man ihm folglich mindestens eine örtliche Nähe zum Bildungsbürgertum nahe legen musste. Soll heißen: Dass es ihm um das Niveau ging.
Und meines genügte halt nicht.

Aber das würde den tieferen Grund dieser elementaren Frage nicht erreichen.
Denn mein nahe sitzender Freund Peter war alles andere als uninformiert, was meine gesellschaftliche Unreife betraf (von den hehren Lebenzielen der 4. Klasse, erinnere ich ungern, weit entfernt)... wie er mich später in einem aus seiner Sicht schwachen, aus meiner Sicht äußerst starken Moment informierte.
Seine Mitarbeit hat übrigens zu keinerlei Nachteilen für mich geführt.

Ich bin also selbst schuld, dass aus mir nichts geworden ist.

Und ich werde also der Versuchung widerstehen und mich diesbezüglich in erhabenes Schweigen hüllen.
Vielmehr muss ich Peter heute Recht geben.
War ich doch damals, es handelte sich um die Jahre der Selbst- und Bettfindung zwischen Jungen und Mädchenetage im Internat, noch schwer beeinflusst von Clementine, Wilma Feuerstein und Antje aus Holland.
Aber auch Hustinettenbär, Prinzenrolle und Wüstenrottag.

3 Dinge braucht der Mann, das hatte sich fest bei mir eingebrannt. Feuer Pfeife & Stanwell, schrieb ich in einer Unterrichtsstunde, es handelte sich nicht um Biologie, auf das bis dahin unbeschriebene Deckblatt meines Schnellhefters.
Aber natürlich stimmt das so nicht.
Das wäre ja keine Kunst gewesen. Kunst gebiert immer etwas Neues.
3 Dinge, die schon tausend Mal genannt waren, wären mir viel zu trivial gewesen.

Während ich in Peters Tagebuch in Spalte subversiv mindestens 3 Kreuze erhielt, hielt ich mich dagegen für reichlich kreativ.
Indem ich aus den 3 Dingen eine logische Folge ableitete, in der die Dinge stets wechselten… nur eine Konstante, da blieb ich mir treu:
Von 3 Dingen war immer mindestens eines ein Mädchen. Und manchmal auch zwei. Und manchmal… das führte jetzt zu weit.

Zu weit weg vom Thema.

Ja, Wolo, auch ich schaue mehr oder weniger angestrengt weg.
Aber es ist nicht nur die Werbung der trivialen Art, der es gilt, nicht auf den Litfaßsäulenleim zu gehen.
Viel gesundheitsgefährdender ist die subtile Verblödungsmaschinerie, die aus mindestens der Mehrheit der Wahlberechtigten nichts weiter als Verbraucher und Konsumenten macht.
Denn darum geht es schließlich: Um die Macht.
Insofern mache ich mir keine allzu begründeten Hoffnungen, dass am 24. September nicht doch wieder nur:
Da weiß man, was man hat
gekauft wird.

Die Rechnung kommt später für alle.


zuletzt bearbeitet 31.01.2017 06:50 | nach oben springen

#3

RE: Entfernung

in Bloghütte 30.01.2017 21:37
von Wassermann • 148 Beiträge

Ach ja, ich hab hier noch was.

Fällt das eigentlich auch unter Reklame, wenn der GEZ-betreute Buntfunk dem neuen Kanzler, nein, Kandidaten, eine Stunde bester Sendezeit exklusiv an den Hals wirft?

Oder muss man das eher als sehr sehr (nicht nur sehr) kritischen Journalismus betrachten, den es ja nach Ansicht der ganzen Popel nicht mehr gibt in Neuland?

Immerhin war Ich bin der Martin ja schutzlos den erst wenige Tage zuvor abgesprochenen hammerharten Fragen und den furchteinflößenden Stirnfalten von Frau Will ausgeliefert.

Ich habe leider leider (nicht nur leider) diese Sendung verpasst, diese und all die zig davor auch.
So, wie ich schon lange die Tatortlindenstraße und seit etwas kürzerer Zeit auch den Mittelmäßigen zumMund Funk gar nicht mehr mitkriege.
Spart Strom und Nerven.
Ich habe leider leider keinen Platz mehr für die ganzen Plakate und Banner.

Aber hier ist noch Platz für das:

http://daserste.ndr.de/annewill/archiv/F...nschulz100.html

Falls jemand die Werbung vor den Kommentaren über sich ergehen lassen will – von mir aus.
Aber danach erst geht’s richtig los.

Warum ich hier dennoch Reklame laufe für AM (also Anne & Martin)?
Na, weil Ihr Euch unbedingt mal die Kommentare einpfeifen solltet.
Es heißt doch immer, dass in den diversen Foren sowieso nur die jeweiligen Meinungspopel unter sich in ihren Blasen bleiben.
Gerade deshalb ist es doch mal interessant zu lesen, was der ganz allgemeine ferngesteuerte Fernsehgucker so denkt.
Und siehe da:
Da guckste nicht schlecht!
Das ist aber auch ein schlechtes Volk, diese D.!

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#4

RE: Entfernung

in Bloghütte 31.01.2017 08:27
von ernst • 72 Beiträge

Ich denke, Frau Will hat nur den Proporz gewahrt. Soweit ich weiß hatte sie Frau Merkel auch schon des öfteren allein. Ich habe mir die Sendung allerdings nicht angetan.
Eines jedoch bringt das öffentliche Fernsehen noch, hin und wieder im Spätabendprogramm informative kritische Sendungen, die allerdings für den normalen Werktätigen zu spät sind. Diese Sendungen möchte ich nicht missen.

zuletzt bearbeitet 31.01.2017 08:37 | nach oben springen

#5

RE: Entfernung

in Bloghütte 31.01.2017 21:01
von Wolo • 187 Beiträge

Nunja, ich wollte ja eigentlich auf diesen "Effekt des Schreckens" hinaus, der sich nach einer Weile des Abstandsgewinnens einstellt. Entweder man kennt ihn, oder nicht ;)

Nun müsst ihr wissen, dass ich seit einigen Jahren meinem Restkonsum klassischer Massenmedien (ÖRR Radio, TV, ) auf ungefähr Null heruntergefahren habe.
Und der "Schrecken" bei heutiger Konfrontation damit ist für mich in etwa so, wie der durch Werbung.

@ernst, ja, klar kommen da auch gute Sachen. Aber die Wirkung des Medium bestimmt sich ja eher aus der Durchschnitt der Beiträge.

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