#16

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 16.02.2017 23:37
von Wolo • 174 Beiträge

Wehnuss, wo polemisiere ich?
Ich will tatsächlich nichts erreichen, außer die Ansichten anderer kennenzulernen. Was mich entweder weiterbringt (gut) oder zumindest wissen lässt, wie groß mein Abstand ist (naja, auch gut).

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#17

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 16.02.2017 23:49
von KleinerBaer • 68 Beiträge

Wenn schon Geschichte, dann sollte man doch auch Zusammenhänge herstellen.
Z. B. die deutschen Luftangriffe auf London und weitere englische Städte erwähnen. Dann kommt man auch nicht umhin, die Luftangriffe auf Paris, auf polnische Städte u. a. Warschau und Gdansk und nicht zuletzt auf die Sowjetunion zu erwähnen. Das war ja beileibe nicht alles.
Von den Opferzahlen ganz zu schweigen.

Tja, was und vor allem wen willst Du erreichen?|addpics|cw3-7-2881.jpeg|/addpics|


zuletzt bearbeitet 17.02.2017 00:01 | nach oben springen

#18

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 17.02.2017 10:36
von wehnuss • 166 Beiträge

Wolo, das kann nicht dein Ernst sein, dass du verlangst, dir die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung zu erklären!

Manchmal passiert es eben, dass ein Krieg auf das Territorium des Verursachers zurückkehrt.
Klingt hart. Ist aber so.

Fang nicht schon wieder an, mit unschuldigen Kindern zu argumentieren!

Ich war auch ein kleines KInd, das 1945 in Berlin zufällig in einem Luftschutzkeller überlebte.
Ich habe auch die Nachkriegszeit überlebt.
Mit Hunger und Not und in erbärmlicher Armut...
Wohin man blickte, Ruinen, Witwen und Waisen, körperliche und seelische Krüppel...
Ich weiß also, wovon ich rede.
Meinst du, ich will so etwas noch einmal erleben?
Mir allerdings würde es niemals in den Sinn kommen, die englischen oder amerikanischen Bomberpiloten dafür verantwortlich zu machen!
Da fallen mir nur diejenigen ein, die sich klammheimlich durch Selbstmord aus dem Staub gemacht haben, um einer gerechten Bestrafung zu entgehen... Oder die, denen in Nürnberg nur einfiel, sich für NICHT SCHULDIG zu erklären!

Welchem Jahrgang kann ich dich zuordnen?
Weinst du dem verlorenen Krieg hinterher?
Was soll also dieses verlogen sentimentale Gejammere?

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#19

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 17.02.2017 16:09
von Wolo • 174 Beiträge

Was ist es anderes als die Rechtfertigung und "Aufwiegung" eines Kriegsverbrechens (ganz unabhängig davon, WER dies letztlich getan hat!), was ihr da treibt?

https://de.wikipedia.org/wiki/Area_Bombing_Directive

Es ist ausgeschlossen, dass man durch Rechtfertigung (auch wenn man sich damit - quasi als Opfer in dem Fall - in eine devote Haltung begibt) solche Dinge bekämpft.

Aber ich denke, ich komme dem Verständnis dessen, was bspw. Helm und die Fussballfans angeht schon langsam näher.

Übrigens Wehnuss, die unschuldigen Kinder hast du selbst hier eingebracht nicht ich. Das ich "sentimental jammern" würde und gar "dem verlorenen Krieg hinterherweinen" würde ist eine Unterstellung, die nicht nur völlig unbegründet, sondern - gelinde gesagt - auch recht unfreundlich ist.

Als eine-Generation-nach-dem-Krieg-Geborener bleibt mir nichts, als die Retrospektive dieser Dinge. Die Reduzierung von Geschichte auf einen singulären "Verursacher" (der zudem offenbar jedes Mittel der Bekämpfung rechtfertigt) ist mir zu undifferenziert (Diese Vereinfachung und Radikalität entspricht im übrigen dem Geschichtsbild der Nazis!?).
Konflikten liegen immer vielfältige Interessen und Parteien zugrunde. Vielleicht liegt an dieser Stelle der wesentliche Unterschied zwischen unseren Betrachtungsweisen.


zuletzt bearbeitet 17.02.2017 16:19 | nach oben springen

#20

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 17.02.2017 20:29
von wehnuss • 166 Beiträge

Mit allem, mit seinem Handeln, seiner Sprache und seinen Texten, verrät man seine Gesinnung.
Da kann man noch so verschroben und verklausoliert formulieren!
Wenn schon Fakten, dann - bitteschön- alle!

Der Link, den du, Wolo, anführst, schildert die Situation ab Februar 1942.
So viel ich weiß, begann der II. WK am 01.09.1939.
Großbritannien und Frankreich erklärten schon am 03.09.1939 Deutschland den Krieg.

Was vor 1942 war, interessiert dich nicht?
Hast du dazu keinen Link gefunden?
Am 14.11.1940 flog die deutsche Luftwaffe einen Angriff auf Coventry.
Das nur zur Erinnerung.
Passt wohl nicht ins Konzept, oder?

Man sollte sich nicht nur die Dinge heraussuchen, die die eigene Haltung untermauern.
Damit ist man dann leider meilenweit von einer gewissen Objektivität entfernt.

Wozu willst du die Ansichten anderer Leute kennenlernen?

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#21

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 17.02.2017 21:23
von wehnuss • 166 Beiträge

Julius Fucik:

"Menschen, ich hatte euch lieb, seid wachsam!"

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#22

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 27.02.2017 00:18
von VirginiaWoolf • 37 Beiträge

"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."
Brecht: aus dem Epilog des Dramas "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui "

Ich lese nichts von einer Rechtfertigung der Bombenabwürfe auf Dresden.

Es ist Tatsache, dass der II. Weltrieg als Eroberungskrieg der deutschen Wehrmacht begann. Nicht die Geschichte allgemein, sondern
der Beginn des Krieges und der Machtanspruch Hitlers, der damit erfüllt werden sollte, hat einen "singulären" Ursacher.
Und nichts anderes als sich einer Mitverantwortung an diesem Krieg zu stellen, das ist in Deutschland, auch in Dresden Jahrzehnte lang verdrängt worden. Ich verweise auf "Die Unfähigkeit zu trauern" von Alexander und Margarete Mitscherlich, 1967.

Diese Kriegswissenschaft mag spannend sein, für mich ist es die "Wissenschaft" von organisiertem Massenmord, damals wie heute.


zuletzt bearbeitet 27.02.2017 00:23 | nach oben springen

#23

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 09.05.2017 00:11
von Wolo • 174 Beiträge
zuletzt bearbeitet 09.05.2017 00:13 | nach oben springen

#24

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 09.05.2017 18:21
von ernst • 72 Beiträge

Den Film für die amerikanischen Soldaten wurde "Reconquista Germania" gepostet. Das spanische Wort heißt Rückeroberung.
Wehnus hatte es ja schon geschrieben, "Manchmal passiert es eben, dass ein Krieg auf das Territorium des Verursachers zurückkehrt." Ich glaube, das macht jede Armee, dass sie ihre Angehörigen propagandistisch auf ihren Einsatz vorbereitet. Mein Vater erzählte mir seinerzeit, dass auch er ideologisch auf seinen Einsatz an der Ostfront vorbereitet wurde.

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#25

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 10.05.2017 00:11
von Wolo • 174 Beiträge

Ernst, ich glaube nicht, dass sich das "Reconquista" auf die Landesgrenzen bezieht. Viel eher auf auf eine Befreiung von einer Ideologie (siehe auch "Pragmatismus versus Ideologie" auf dem selben Kanal).
Der Film ist übrigens kein Lehrfilm AUS dem Krieg, sondern gibt Anweisung wie mit den Deutschen NACH dem Krieg - also auch heute - umzugehen ist.

Die Lehrfilme und -Bücher findet man heute noch, wenn man mag (z.B. solche "Frontlektüre" oder auch sowas wie Libyen in den 40-ern)

Ich will nicht vergessen den Russen heute an ihrem großen Tag noch zu gratulieren. Obwohl sie anständigerweise ihre Besatzerrolle in Deutschland nach 40 Jahren aufgegeben haben, stellen sie doch noch immer die "Befreiung" der Ostgebiete Polens (wie im Hitler-Stalin-Pakt vorgesehen) sicher. Die Polen feiern heute nicht?


zuletzt bearbeitet 10.05.2017 00:25 | nach oben springen

#26

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 10.05.2017 22:11
von Vorace53 • 66 Beiträge

Nach diesen Gedanken, darfst Du mich ruhig verräterischen volksfeindlichen und undeutschen Abschaum nennen, wenn es in Dein Weltbild passte, und dann würde es mich stolz machen. Wenn dem nicht so ist, sollte es mich freuen. Ich bin nicht darauf aus recht zu haben.

Wenn es warm ist, dann zieht es mich jeden Morgen und Abend auf den Strand. Auch wenn die Nordsee ihn seit 77 Jahren sorgfältig ausgewaschen hat, so kann ich nicht vergessen, dass fast jeder Quadratmeter von Blut durchdrängt war. Und bis in unsere Zeit finden sich Überreste von Soldaten, die hier auf ihre Einschiffung warteten. Es war der Sommer 1940 und die Stadt heisst Dunkerque, Dünkirchen im Deutschen. Das Meer, welches am Ufer leckt, ist die gleiche Nordsee wie in Halligen oder an der Küste von Helgoland.

Um diese quälende Warterei zu erleichtern, entsandte die Deutsche Luftwaffe diverse ihrer Fluggeräte um vermittels des freundschaftlichen, ja soll ich sagen: carikativen Beschuss das Leben der jungen Männer ein wenig abzukürzen.
Ja, @Wolo, das Verbrechen dieser in der Hauptsache britischen und französischen Soldaten hatte darin bestanden, Frankreich verteidigen zu wollen. Aber vielleicht lässt Du uns ja wissen, welche unglaublichen Gräultaten der Franzosen, Belgier und Niederländer es erforderlich gemacht hatten, das Reich mit solcher Härte zu verteidigen ?

Getragen von einer nicht minder von eigenartiger Sympathie und Völkerverständigung war wohl die Empfehlung an die Piloten der vielen Ju 87, bösartigerweise auch Stuka genannt, die Reihen der Zivilisten auf den Strassen Nordfrankreichs zu lichten, um Staus vorzubeugen. Meine Schwiegermutter kam im Juni 1940 mit dem Leben davon, ein junges Mädchen, ohne Waffen, ohne Uniform. Andere, Greise, Frauen, Babies hatten diese Chance nicht. In diesen Trecks gab es übrigens keine Militärs, aber Kugeln dafür waren ausreichend vorhanden. Deutsche Kugeln, in Präzision gefertigt, denn der Tod war ein Meister aus Deutschland gworden.

Mein Schwiegervater wurde kurz vor Weihnachten 1942 von bewaffneten Deutschen mitgenommen, damit er Tender für Führer, Volk und Vaterland schweisste, im Vorharz, eingelagert, mässig ernährt und gegen seinen freien Willen. Dieser Arbeitbeschaffungsmassnahme hätte er sich gern begeben.

Was einen schalen Geschmack hinterlässt, @Wolo, ist die variable Geometrie, welche Dein Geschichtsbild bestimmt. Die Persekution der Deutschen als Folge der deutschen Persekution der umliegenden Völker scheint unglaublich schlimmer als das, was im Namen der Deutschen anderen Völker angetan wurde.

Hast Du einen einzigen Augenblick daran gedacht, dass Du auf der Rampe in Auschwitz stehen konntest, von Deiner Frau und Deinen Kindern getrennt würdest und ein Leben lang mit den Bildern Deiner grausam verendenden Frau und Kinder leben müsstet ? Die Phantasie, gespeist aus sachlich kalten Beschreibungen der deutschen Techniker und SS-Offiziere swoie aus den hinterlassenen Akten, ist eine furchtbarere Bestrafung eines Unschuldigen als der Strick um den Hals des wirklich Schuldigen.

Wenn nicht, so solltest Du es jetzt tun, denn es erklärt, wer die Schlösser geöffnet und die Gewalt freigesetzt hat. Die Gewalt aber gebiert nur wieder Gewalt so wie das alles verzehrende Feuer, einmal in den Wald getragen, nur neue Feuerherde hervorbringt. Nur ist es nicht so, dass selbst Du nach der Bestrafung des Pyromanen und nicht nach Verurteilung des Feuers rufen würdest, vor allem, wenn Dein Hause, Deine Familie zu den ersten Opfern gehörte ?

Da Du Verweise auf Dokumente der Geschichte bewvorzugst, empfehle ich Dir die folgenden Seiten aus einem Werk, dass bereits in der DDR verlegt worden war: POLIAKOV Léon. WULF Josef: Das Dritte Reich und seine Diener. Dokument: Verlag Volk und Welt (Ost-Berlin): 1975, pp. 206 - 215, pp. (erstmals verlegt 1956 vom arani-Verlag in Berlin-West)

Aber auch das Buch « SS im Einsatz », als Reprint vom Verlag edition Ost (2014, 2. Auflage) zeichnet ein verstörendes Bild von jenen, welche die Gewalt methodisch betrieben und in perfekter industrieller Organisation Menschenleben auslöschten.

Es gibt keine vernünftige Rechtfertigung der Vergewaltigungen deutscher Frauen während und nach der Befreiung durch die Rote Armee, und es gibt auch keine Rechtfertigung der von Tschechen von der Elbebrücke in Usti n. L. in die Elbe geworfenen Deutschen. Doch sollten wir nicht vergessen, dass die finsteren Zeiten menschlicher Gewalt das Talionsprinzip gebaren. Der Rückgriff auf diese ungezügelte Gewalt liefert ihren Initiator als ersten der blinden Wirkung dieses antiken Rechtsprinzips aus.

Und noch eine menschliche Eigenschaft tritt am Ende der Gewalt zu Tage: Manch schweigender Dulder, manch heimlicher Verehrer der Gewalt wird plötzlich zum glühendsten Blutrichter derer, denen er sich einst unterwarf. Sich reinzuwaschen ist oft das Motiv und so kopieren diese Menschen die Auslöser der Gewalt, übertreffen sie in unsäglicher Grausamkeit - die Widerständler des 32. August in ihrem verpassten Bemühen dem Sieg zu Hilfe zu eilen.

In diesem Sinne,@Wolo, ist ein Rekalibrieren Deiner Argumentation kein Gesichtsverlust, ganz einfach nur Zeichen einer Evolution. Und die erfahren wir alle. Immer.


zuletzt bearbeitet 10.05.2017 23:18 | nach oben springen

#27

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 11.05.2017 03:51
von Wolo • 174 Beiträge

Vorace, nun hast du einen langen Text geschrieben. Rekalibriert, unterstellt und emotionalisiert.

Zitat
Nach diesen Gedanken, darfst Du mich ruhig verräterischen volksfeindlichen und undeutschen Abschaum nennen, wenn es in Dein Weltbild passte, und dann würde es mich stolz machen. Wenn dem nicht so ist, sollte es mich freuen. Ich bin nicht darauf aus recht zu haben.


Du legst mir also zuerst einmal Worte in den Mund. Machst eine Aufnahme. Nimmst sie dann sogleich wieder heraus - weil man will ja nicht unfair sein. Kein wirklich schöner Beginn.
Übersetzt aus der etwas verkappten Rhetorik bleibt die Frage: Ob ich also ein dummer Nazi bin?
Du erwartest darauf aber nicht wirklich eine Antwort, oder?

Zitat
Wenn es warm ist, dann zieht es mich jeden Morgen und Abend auf den Strand. Auch wenn die Nordsee ihn seit 77 Jahren sorgfältig ausgewaschen hat, so kann ich nicht vergessen, dass fast jeder Quadratmeter von Blut durchdrängt war. Und bis in unsere Zeit finden sich Überreste von Soldaten, die hier auf ihre Einschiffung warteten. Es war der Sommer 1940 und die Stadt heisst Dunkerque, Dünkirchen im Deutschen. Das Meer, welches am Ufer leckt, ist die gleiche Nordsee wie in Halligen oder an der Küste von Helgoland.

Um diese quälende Warterei zu erleichtern, entsandte die Deutsche Luftwaffe diverse ihrer Fluggeräte um vermittels des freundschaftlichen, ja soll ich sagen: carikativen Beschuss das Leben der jungen Männer ein wenig abzukürzen.
Ja, @Wolo, das Verbrechen dieser in der Hauptsache britischen und französischen Soldaten hatte darin bestanden, Frankreich verteidigen zu wollen. Aber vielleicht lässt Du uns ja wissen, welche unglaublichen Gräultaten der Franzosen, Belgier und Niederländer es erforderlich gemacht hatten, das Reich mit solcher Härte zu verteidigen ?


Ich denke die historisch korrekte - und hart erscheinende - Antwort auf diesen anekdotischen Vortrag dürfte sein, dass die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens dem Deutschen Reich am 3.9.1939 den Krieg erklärt haben?! (wie wehnuss weiter unten bereits ausführte)

Zitat
Getragen von einer nicht minder von eigenartiger Sympathie und Völkerverständigung war wohl die Empfehlung an die Piloten der vielen Ju 87, bösartigerweise auch Stuka genannt, die Reihen der Zivilisten auf den Strassen Nordfrankreichs zu lichten, um Staus vorzubeugen. Meine Schwiegermutter kam im Juni 1940 mit dem Leben davon, ein junges Mädchen, ohne Waffen, ohne Uniform. Andere, Greise, Frauen, Babies hatten diese Chance nicht. In diesen Trecks gab es übrigens keine Militärs, aber Kugeln dafür waren ausreichend vorhanden. Deutsche Kugeln, in Präzision gefertigt, denn der Tod war ein Meister aus Deutschland geworden.



Das war nach dieser Schilderung offenbar ein Kriegsverbrechen.
Dieses "Getragen von einer nicht minder von eigenartiger Sympathie .." unterstellt im Rückschluss, dass das deutsche Militär AUSSCHLIEßLICH Kriegsverbrechen begangen hätten. Glaubst du das ernsthaft?
Der Tod als "Meister aus Deutschland" impliziert zudem, dass das "typisch deutsch" gewesen ist. Ich will dir Berichte aus Erfurts Umgebung ersparen, aber ähnliches geschah eben auch anderswo. Und ich erinnere an den Titel dieses Threads.
So etwas geschieht übrigens auch heute noch - regelmäßig und mit unbemannten Flugzeugen.

Zitat
Mein Schwiegervater wurde kurz vor Weihnachten 1942 von bewaffneten Deutschen mitgenommen, damit er Tender für Führer, Volk und Vaterland schweisste, im Vorharz, eingelagert, mässig ernährt und gegen seinen freien Willen. Dieser Arbeitbeschaffungsmassnahme hätte er sich gern begeben.


Das tut mir leid für deinen Schwiegervater. Doch auch solche Umstände waren auch nicht "typisch deutsch":
https://de.wikipedia.org/wiki/Internieru...iger_Amerikaner
Zu den diesbezüglichen sowjetischen Handlungen muss man wahrscheinlich nichts mehr sagen. Anschaulich bringt das Lochthofen in seinen biografischen Büchern.

Zitat
Was einen schalen Geschmack hinterlässt, @Wolo, ist die variable Geometrie, welche Dein Geschichtsbild bestimmt. Die Persekution der Deutschen als Folge der deutschen Persekution der umliegenden Völker scheint unglaublich schlimmer als das, was im Namen der Deutschen anderen Völker angetan wurde.


Also eine "variable Geometrie" ist mir so bekannt wie dir mein Geschichtsbild. Was dir da "scheint", ist wohl vielmehr eine Reflektion deines eigenen Bildes: Und du solltest nicht aus den Reflexen Anderer auf mich schließen.
Übrigens: Selbst (und besonders!) die Negierung deiner vorgeworfenen Aussage offenbart Unannehmbares.

Zitat
Hast Du einen einzigen Augenblick daran gedacht, dass Du auf der Rampe in Auschwitz stehen konntest, von Deiner Frau und Deinen Kindern getrennt würdest und ein Leben lang mit den Bildern Deiner grausam verendenden Frau und Kinder leben müsstet ? Die Phantasie, gespeist aus sachlich kalten Beschreibungen der deutschen Techniker und SS-Offiziere swoie aus den hinterlassenen Akten, ist eine furchtbarere Bestrafung eines Unschuldigen als der Strick um den Hals des wirklich Schuldigen.


Es ist infam, mir zu unterstellen, ich hätte womöglich nie diese Perspektive eingenommen! Gekoppelt mit dieser hochemotionalen Schilderung kannst du damit nur eine Schmähung bezwecken ... warum?

Zitat
Wenn nicht, so solltest Du es jetzt tun, denn es erklärt, wer die Schlösser geöffnet und die Gewalt freigesetzt hat. Die Gewalt aber gebiert nur wieder Gewalt so wie das alles verzehrende Feuer, einmal in den Wald getragen, nur neue Feuerherde hervorbringt. Nur ist es nicht so, dass selbst Du nach der Bestrafung des Pyromanen und nicht nach Verurteilung des Feuers rufen würdest, vor allem, wenn Dein Hause, Deine Familie zu den ersten Opfern gehörte ?


Entschuldige, aber beide Aussagen und der Vergleich sind - trotz emotionalem Vorspiel - falsch.
1.) "Auschwitz" erklärt nicht den "Auslöser" des Kriegs als "Gewaltträger" oder die Gewalt selbst. Kurz: Kein Alliierter oder Sowjet hat wegen Auschwitz gekämpft.
Folgte man deiner Argumentation, so könnte man Stalins Lager (lange vor Kriegsbeginn entstanden) nicht ignorieren. Und auch in diesen wurde die Gewalt nicht "geboren" ... Stichwort: Kolonialgeschichte der Briten etc. (das zur Einordnung - nicht "Rechtfertigung"!).

Auschwitz kann auch als Produkt des Krieges verstanden werden.

2.) Die "Gewalt bringt Gewalt hervor" - These so einfach angewandt, spräche jeden von jeder Verantwortung frei. Das ist auch der Grund, warum "Auge um Auge" letztlich in der Realität versagt.

(Was den Vergleich angeht: Feuer kann man nicht "verurteilen" - eben nur Regeln für den Umgang damit aufstellen und durchsetzen. Oder eben auch nicht.)

Zitat
[..] Doch sollten wir nicht vergessen, dass die finsteren Zeiten menschlicher Gewalt das Talionsprinzip gebaren. Der Rückgriff auf diese ungezügelte Gewalt liefert ihren Initiator als ersten der blinden Wirkung dieses antiken Rechtsprinzips aus.


Das Problem dieses "Vergeltungs"-Prinzips - sonderlich auf dieser Ebene - liegt wohl darin, dass es eines "Initiators" bedarf. Aber wie bereits dargelegt, es ist eher als primitives Recht-fertigungs-instrument zu betrachten. Zumal der Sieg in einem Konflikt im wesentlichen darin besteht, einen (Konflikt)-"Initiatior" bestimmen zu können.

Zitat
Und noch eine menschliche Eigenschaft tritt am Ende der Gewalt zu Tage: Manch schweigender Dulder, manch heimlicher Verehrer der Gewalt wird plötzlich zum glühendsten Blutrichter derer, denen er sich einst unterwarf. Sich reinzuwaschen ist oft das Motiv und so kopieren diese Menschen die Auslöser der Gewalt, übertreffen sie in unsäglicher Grausamkeit - die Widerständler des 32. August in ihrem verpassten Bemühen dem Sieg zu Hilfe zu eilen.


Danke für den Hinweis auf diese französische Weinbegebenheit.

In diesem Sinne,@Vorace, ist ein Rekalibrieren Deiner Argumentation kein Gesichtsverlust, ganz einfach nur Zeichen einer Evolution. Und die erfahren wir alle. Immer.


zuletzt bearbeitet 11.05.2017 03:53 | nach oben springen

#28

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 11.05.2017 11:06
von KleinerBaer • 68 Beiträge

Für diesen Kommentar bin ich Dir sehr dankbar, lieber Vorace.

Ich lese Deine Texte trotz Deines Rates, Wolo, es nicht zu tun. Mittlerweile jedoch ohne den Anspruch, etwas davon zu verstehen, geschweige denn verstehen zu wollen. Das Bemerkenswerte daran ist der willkürliche Mix aus Sprach- und Geschichtsbildern unter der Prämisse etwas darzustellen, was zumindest eins erkennbar macht: die Richtung.

Mir fiel und fällt es allerdiings daraufhin schwer, mich im Kultourbus frisch und frei meiner Sprache zu bedienen.

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#29

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 11.05.2017 11:07
von Vorace53 • 66 Beiträge

Ok, @wolo, ich habe verstanden, nur folgen mag ich Dir nicht mehr. Das Leben, das meine jedenfalls, ist zu kurz um es in Auseinandersetzungen zu vertun.

Dass ich kein Wort zurücknehmen mag, sollte Dir klar geworden sein. Mögest Du also in und mit Deiner Interpretation der Geschichte glücklich sein.
Vorace53

PS. Auch wenn ich kein Recht mehr besitze, die deutsche Sprache zu verteidigen, so denke ich, dass sie ein wunderbares Werkzeug ist, dessen passive Beherrschung (Verstehen) auch gelernt sein will.

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#30

RE: "Dresden? Einen solchen Ort gibt es nicht."

in Einblicke, Ansichten und Aussichten 11.05.2017 12:55
von Vorace53 • 66 Beiträge

An den Kleinen und doch so grossen Bären und all die anderen, welche die Geschichte nicht vergessen oder verformen wollen,

ich glaube, Du hast sehr gut verstanden, was ich sagte, und es gibt keinen Grund, sich kleiner zu machen als Du es bist. Die wahre Grösse besteht darin zuerkennen, dass wir nicht alles verstehen und nicht alles kennen. Das ist das eigentliche Geheimnis unseres Lebens und solange es uns umtreibt, sind wir noch nicht reif für die letzte Einfahrt in die Grube.

Geschichte ist nie nur gebaut aus Schwarz und Weiss, das wäre wohl zu einfach, und sie wird immer eingefärbt sein von denen, die über eine politische Meinungshoheit verfügen. Doch entkleidet dieser umgehängten Mäntelchen offenbart sie den wahren Weg des Menschen. Deshalb ist für Politiker alle couleurs oft nur die Ausblendung von Erinnerungen und Sachzeugen hilfreich.

Nein, ich gehöre nicht zu den Verschwörungstheoretikern, die von unheimlichen und unfassbaren obskuren Lächten fabulieren. Auch das wäre nur eine wohlfeile Methode von der Realität abzulenken.

Ich möchte nur an Katyn erinnern und den bedingten Reflex der DDR-Historigraphie. Die Ergebnisse der nach Katyn entsandten Nazi-Gerichtsmediziner müssen falsch gewesen sein, weil die UdSSR ja immer auf der Seit der Guten stand. Dass nun letztlich die UdSSR sich um die polnischen Offiziere so sorgte, dass sie sie ermordete, ist heute unbestrittene Wahrheit, auch wenn sie unter den blutigen Händen der Nazis zu Tage trat. Jedoch ist das kein Beweis für die Unschuld des Reiches, welches den ersten Schuss abfeuerte auf seinen polnischen Nachbarn.

Untergegangen im Getöse der hier von einem Diskutanten vorgebrachten Rechtfertigungen des nicht zu rechtfertigenden sind die Jahre vor dem 1. September 1939. Mag der Klement Gottwald menschlich und intellektuel noch so überhöht und Edvard Benes der Ausbund des bourgeoisen Kapitulantentums gewesen sein, der tchechoslovakische Film « Tage des Verrats » zeigt die wenig friedlichen Aktionen de vom Reich in Marsch gesetzten Henlein-Truppen. Auch das ist Geschichte, und auch das zeigt, ob ich es nun wahr haben will oder nicht, wo die Gewalt ihren Anfang nahm.

Der Frieden ist sehr verletzlich, jener in uns wie auch der andere um uns herum.

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